Ihre eigene Individualreise erstellen Sie bei Erlebe- :

Erlebe Familien Reisen

Bali

Vietnam

Thailand

Südafrika

Kambodscha

Malaysia

Kenia

Indonesien

Costa Rica

Peru

mehr..
Kambodscha und Vietnam im Januar 2010

Abschied von der Insel

Geschrieben am 23.01.2010 um 02:34

Obwohl unter diesem Himmel und an diesem Strand die freundliche Illusion leicht fällt, die Zeit könne wo nicht angehalten werden, so doch ein wenig gemächlicher ihren Gang gehen, sind unterdessen die Tage verstrichen. Vom Montag, als alles noch vor mir lag, über den Mittwoch, wo ich mich gänzlich eingelebt hatte ist nun Samstag geworden und es muss das wenige, das ich in diesen Tagen benötigte, wieder im Rucksack verstaut werden. Apropros Rucksack: es ist das erste Mal seit Jugendtagen, dass ich wieder mit so einem Gepäck unterwegs war und ich habe seine Vorzüge gegenüber allen Arten von Koffern in mancher Situation schätzen gelernt. Wie hätte es zum Beispiel ausgesehen, wenn ich mit einem solchen auf dem Rücksitz des Mopeds, das mich in Phnom Penh vom Hotel zum Boot brachte, hätte Platz nehmen müssen. Ich habe inzwischen zwar fast grenzenloses Vertrauen in die Pack- und Fahrkünste der jungen Leute hier, aber jedenfalls machte es sich mit dem Rucksack auf dem Rücken recht umstandslos und komfortabel. Wenn ich nun noch hinter das Geheimnis käme, warum die Dinge, die man gerade braucht, immer zuunterst liegen...


Heute also das letzte Frühstück, der letzte Blick aufs Meer. Ein Taxi zum Flughafen kann man praktischerweise gleich mit buchen und auf die Rechnung setzen lassen. Ich habe hier ziemlich ausschweifend gelebt und ganze 667000 Dong inklusive Transfer verbraten! In US$ macht das ungefähr 37,00. Natürlich ist zu berücksichtigen, dass ich die Übernachtung bereits von zu Hause aus bezahlt hatte. Da mir das Frühstück genügte, bin ich auch nicht jeden Mittag und jeden Abend ins Restaurant gegangen.


Ursprünglich hatte ich vor, die Insel zu erkunden. Daraus ist nichts geworden. Der Bereich des ****** ist für Spaziergänge ausgedehnt und abwechslungsreich genug und den Gedanken, bei dem schönen Wetter im Auto herum zu fahren, fand ich auch nicht allzu verlockend. Viel schöner ist es, auf der Veranda oder am Strand zu sitzen, zu lesen und dann und wann aufs Meer zu schauen.


So hätte ich es noch eine ganze Weile ausgehalten. Wiederholt muss ich der ungemein wohltuenden Luft Erwähnung tun, die sich fast gegenständlich an die Glieder anschmiegt. Da es vom Meere her immer ein wenig weht, wurde es nie unerträglich heiß. Bäume, Sträucher, Blüten. Kokospalmen, die gerade Früchte trugen. Ein Junge kletterte waghalsig den Stamm hinauf und schnitt sie ab. Unten wurden sie von seinen Kollegen in einem Korb gesammelt. Die eine oder andere wurde auf der Stelle geöffnet, der Saft ausgetrunken und das Mark verzehrt.


Das Anwesen wird – neben dem Beherbungsbetrieb – auch als eine Art Bauernhof geführt. Kühe und Hühner habe ich schon erwähnt. Es sind auch ständig Leute unterwegs, die harken, die von den Bäumen gefallenen Blätter aufsammeln, Das Personal hat seine eigenen Häuser auf dem Gelände.


Die Leute, auch die, die nicht im Restaurant bedienen oder die Zimmer herrichten, sind sehr freundlich und hilfsbereit, ohne andererseits um die Gäste sehr viel Getue zu machen. Jeder geht seinen Geschäften nach. Als Gast lebt man gleichsam unter und mit ihnen. Bei Verständigungsproblemen sind sie geduldig und holen, wenn sie selbst nicht weiter wissen, jemand anders dazu.


Ich verlasse diese Insel recht ungern. An allen Tagen habe ich mich hier wohlgefühlt. Nicht zuletzt hat mir die einfache, unprätentiöse Art gefallen, in der man hier wohnen und leben kann. Alles Notwendige war da, für den Luxus sorgte Himmel, Sonne, Meer und Natur.


Inseldasein 2

Geschrieben am 20.01.2010 um 02:28
Was für den Berichterstatter sehr angenehm ist, kommt den Berichten weniger zugute: Es ist sehr schön hier, aber Neuigkeiten zu berichten gibt es nicht. Frühstücken, auf der Veranda sitzen und aufs Meer schauen, das Terrain der Anlage erkunden, sich seines Lebens freuen, dem Wellenschlag zuhören - es ist auf eine allerdings kurzweilige Art immer dasselbe.

Vielleicht sollte ich aber doch von den wunderbaren Abenden erzählen. Wie schon gesagt, die Dämmerung setzt sehr früh ein - schließlich bin ich immer noch nördlich des Äquators und es ist Winter. Wenn es allmählich dunkel wird und die Sonne dem Horizont zustrebt - ich bin auf der Westseite der Insel - gibt es ein wunderbares Farbspiel. Zarte Rottöne und alle Schattierungen eines kräftigen Orange gehen wie bei einem Kaleidoskop immer neue Kombinationen ein. Leise kräuselt sich die Meeresoberfläche in kleinen Wellen, sie ist wie ein Spiegel, der die Farben des Himmels zurückwirft. Vor diesem Hintergrund zeichnen sich, schon tief scwarz, die Konturen der Bäume ab. Es wirkt wie ein Scherenschnitt.

Ich kann mich an diesem Anblick, der alle Minuten andere Akzente setzt, nicht sattsehen. Wie man der Dinge hier überhaupt nicht satt wird: der grenzenlosen, nur durch den Takt des Meeresrauschen untermalten und dadurch eher noch betonten Ruhe,  der Blicke aufs Meer, wo immer mal ein Fischerboot seine Kreise zieht.

 

Inseldasein

Geschrieben am 19.01.2010 um 05:47

Gestern vormittag bin ich nach einer Stunde Flug von Saigon auf der Insel *** **** gelandet. Mit dem Taxi (am Flughafen wimmelte es davon) bin ich dann nach zwanzig Minuten Fahrt zu meinem Domizil für die nächsten fünf Tage, dem „Mango Bay ******“ gelangt. Da es fast etwas versteckt im Grünen liegt und ich zunächst nichts weiter als das Gebäude sah, in dem Rezeption und Restaurant untergebracht sind, war ich zunächst etwas enttäuscht und skeptisch. Man hat ja manchmal so Bilderbuchvorstellungen von ****en, weißen Stränden und blauem Meer und das hier schien damit überhaupt nicht im Einklang zu stehen.


Ein wenig musste ich noch warten. Da ich verhältnismäßig früh hier war, war mein Zimmer noch nicht bereit. Ich setzte mich ins Restaurant mit Blick aufs Wasser, trank einen Tee, musterte ein wenig die Gäste. Hier hört man etwas öfter deutsche Klänge.


Schließlich wurde ich zu meiner Unterkunft geführt und nach kurzem Trampelpfad öffnete sich das schönste Meer- und Strandpanorama. Ich vergaß meine Skepsis von eben, freute mich und trat über eine Holztreppe und eine Veranda erwartungsvoll in mein Zimmer. Es gefiel mir auf Anhieb, Der Umgebung entsprechend rustikal ausgestattet, das große Bett mit einem Mosquitonetz versehen (ob man das hier zu dieser Jahreszeit braucht, ist eher unwahrscheinlich, aber sicher ist sicher und ich habe es nachts lieber herunter gelassen), im Hintergrund ein großer „restroom“, wie hier im allgemeinen Toiletten und Badezimmer bezeichnet werden. In großer Ventilator an der Wand sorgt bei Bedarf laut für einen Luftzug. Flaschen mit Trinkwasser stehen (übrigens in allen Unterkünften, die ich bisher bewohnt habe) bereit.Vor dem Zimmer befinden sich auf der Veranda Liegen sowie Tisch und Stühle, der Blick geht aufs Meer. Mit einem Wort: geradezu paradiesisch.


Inzwischen war es Mittag. Ich hatte die Beine von meiner Hose abgezippt, das Hemd gegen ein T-Shirt, die Schuhe gegen Sandalen ausgetauscht und setzte mich wieder in das Restaurant, das auch als Aufenthaltsraum dient (oder umgekehrt). Erfreut stellte ich fest, dass es drahtloses Internet gibt und verbrachte die Zeit abwechselnd mit dem Netbook, mit Lesen und mit Schauen aufs Meer, das in gemächlichen Wellen heran plätscherte. Man kann stundenlang so gucken bis schließlich die Dämmerung (sehr früh, so gegen 18.00 Uhr) mit ein paar schönen Sonnenuntergangsbildern aufwartet.


Praktisch, wenn auch etwas verführerisch: Man kann alles, was man konsumiert, auf seine Zimmernummer schreiben und zahlt bei Abreise mit Kreditkarte. Der Vorteil ist, dass man keine vietnamesische Dong eintauschen muss. Ich habe zwar ein paar Scheine für die alltäglichen Dinge (Taxi usw.), aber mit den riesigen Zahlen und deren Umrechnung in unsere Währung habe ich Probleme, so schnell, wie ich bezahlen muss, kann ich gar nicht rechnen. Ein US$ sind ungefähr 18500 Dong, ein Euro 26000. Außerdem darf man Dong nicht bei der Rückreise ausführen.

Sicher könnte man bei den meisten Gelegenheiten auch mit Dollar zahlen, aber der dabei berechnete Kurs ist meist nicht sehr günstig.

Es ist nicht heiß, aber wunderbar warm hier. Immer geht ein leiser Luftzug und man fühlt sich auf eine sehr angenehme Weise von der Luft umhüllt. Sie ist tatsächlich, wie man das manchmal in Romanen liest, „wie Samt“.


Ja, was soll man hier anderes machen, als faulenzen und sich erholen? Gar nicht so schlecht nach der letzten an Eindrücken reichen aber auch anstrengenden Woche.


Die Nacht zu heute habe ich gut verbracht. An den Krach von Klimaanlagen respektive Ventilatoren muss man sich in diesen Breitengraden gewöhnen. Man hat ja nur die Wahl zwischen Hitze und Lärm. Da letzterer eher gleichförmig und monoton ist, gelingt es.


Mein erstes Frühstück hier war heute morgen recht befriedigend. Man hat eine Auswahl aus mehreren Zusammenstellungen wie Gesund/Kontinental/Asiatisch, wahlweise Kaffee oder Tee.


Als ich vom Frühstück zurück zu meinem Zimmer kam, war es schon aufgeräumt. Nach einer Weile Musikhören auf der Veranda, wobei plötzlich geruhsam weidendes Rindvieh auf der Bildfläche erschien, sitze ich nun hier und schreibe diese Zeilen.

In Saigon

Geschrieben am 17.01.2010 um 09:52
Nach dem Frühstück also auf zur Stadtbesichtigung. Ich will mich, da ich nur einen vollen Tag hier bin, auf die Innenstadt beschränken. Jedes Reisehandbuch empfiehlt Cu Chi, wo man ein Tunnelsystem der Viet Cong besichtigen kann, auch mein Guide wollte mich gestern dazu überreden. Und selbst meine deutschen Frühstücksgefährten von heute morgen, fragten mich, ob ich heute zu den Tunneln ginge. Als ich antwortete, dass ich mir das ersparen würde, löste ich eine Zehntelsekunde Betretenheit oder Pikiertheit aus. Aber, das sei doch mal was ungeheuer interessantes. Ich weiß nicht. Vielleicht für die, die buchstäblich weit ab vom Schuss an ihrer Baguette kauen. Abenteuerspielplatz für Erwachsene mit Gruseleffekt.  Nun ja. Mir haben die Killing Fields gereicht. Ausserdem bleibt es dem Vernehmen nach nicht bei den Tunnelbesichtigungen, wobei die ganz Mutigen auch mal drinnen langschleichen und sich als Viet Cong fühlen dürfen, sondern man muss auch noch einen Vortrag ("Ein Veteran erzählt") und einen Film über sich ergehen lassen. Gemieden habe ich auch die allerorten angepriesenen Militär- und Kriegsmuseen. An letzterem bin ich vorbeigekommen und sah die Hubschrauber und Panzer im Hof. Wirklich sehr interessant.
Es ist zwar der Menschen Art, auf dem Tiger, vor dem sie sich eben  noch gefürchtet haben, herumzutanzen, wenn er tot ist, vielleicht ist das sogar ein notwendiger Akt der Verarbeitung von  Ängsten und Schrecken, aber ich finde die touristische  Ausschlachtung doch sehr anfechtbar. Wir haben alle seinerzeit die schrecklichen Bilder gesehen, ich habe Hochachtung vor diesem  betriebsamen und freundlichen Volk, dass so gar nicht für den Krieg geschaffen zu sein scheint (was allerdings ein romantischer Irrtum ist - in der Geschichte Südostasiens gibt es mindestens genau so viel Kriege, Eroberungen, Vertreibungen eines Volksstammes durch einen anderen wie bei uns) und sich unter fürchterlichen Opfern gegen eine Übermacht zur Wehr gesetzt hat. Doch sich auf Kosten der Spuren jener Ereignisse einen spannenden Vormittag zu verschaffen, ist für mein Empfinden nicht die rechte Weise, mit solchen Tragödien umzugehen.

Ich blieb also im Stadtzentrum und hielt mich der Einfachheit halber und mit Rücksicht auf die Zeit (und die Hitze) an das, was mein Stefan-Loose-Reisehandbuch hergab.

Für meine Begriffe ist Saigon keine schöne Stadt. Es gibt ein paar Ecken, die eine Anmutung von Flair haben. Aber im allgmeinen ist sie zerklüftet, zu welchem Eindruck allerdings auch die Vielzahl der Baustellen beitragen. Mag sein, dass die Stadt in fünf Jahren nicht wieder zu erkennen ist.  Ich besuchte den quirligen Ben Than Markt, einem großen Gebäude, in dem auf engsten Raum so ziemlich alles ausgestellt ist, was man sich denken und was man kaufen kann. Mit Rücksicht auf die (in Saigon wieder deutlich häufigeren) Touristen sind die Uhren- Schmuck- und Nippesstände gerade im Eingangsbereich etwas zu häufig vertreten. Doch offenbar geht die Rechnung auf: tatsächlich scheint es in einigen Ländern der westlichen Welt weder Armbanduhren noch Ohrringe zu geben. Oder man glaubt vielleicht, ein ganz besonderes Schnäppchen tun zu können. Jedenfalls stehen dort immer ein paar Leute und lassen sich die Waren zeigen.

Oh ja, geschäftstüchtig sind die Vietnamesen, vor allem in den Städten. Sicher auch aus Not. Doch das ist, was die Freude an der Stadt etwas trübt. Dauernd will einem einer die Schuhe putzen, eine Limonade verkaufen oder eine Stadtrundfahrt mit dem Bike schmackhaft machen. Man kann es nur als lästig bezeichnen. Den Kindern etwas abzuschlagen, fällt mir unheimlich schwer. Aber die sind auch das wenigste, denn sie ziehen sich, nachdem sie mit piepsender Stimme und traurigen Augen ihren Kleinkram wieder einmal vergebens angeboten haben, schnell zurück. Unter den Jugendlichen und Alten habe ich allerdings zwei oder drei ganz besonders Hartnäckige erlebt. Das beste ist, möglichst ruhig und freundlich das "Thank you" wie ein Mantra vor sich herzusagen. Irgendwann geben sie es dann auf. Die Hartnäckigkeit, so weit ich sie erlebt habe, ist, das muss ich der Gerechtigkeit halber ergänzen,  ohne jede Aggression. 

Die anderen Seiten, die mir besonders aufgefallen ist - vielleicht hatte ich heute einen etwas  misanthropischen Tag erwischt - sind zum einen  das Wuchern  des üblichen Gucci- Armani - und sonstigen Firlefanz, Dinge, die keiner braucht,  und die angesichts der nicht zu übersehenden Tatsache, dass Viele hier gerade nur das allernotwendige haben, besonders deplaziert wirken, zum anderen die Touristen, die auf den Veranden und Balkonen der Gaststätten mampfen, was das Zeug hält, weils so schön billig ist, dann  noch die Hälfte auf dem Teller lassen und sich zuguterletzt über irgendwelche Kleinigkeiten aufregen. Die Kinder auf der Strasse werden sich fragen, ob wir zu Hause nichts zu essen bekommen.

Saigon ist laut und hektisch. Eine Strasse zu überqueren, ist in der Tat anfangs jedes Mal eine Mutprobe. Man kann es aber lernen. Langsam laufen, nicht zurückgehen und den Blickkontakt zu den heranrollenden Fahrzeugen  halten, auch mal stehen bleiben, um eines vorbeizulassen. Man muss und kann sich darauf verlassen, dass man von den anderen Verkehrsteilnehmern gesehen wird. Am Ende meines Trips hatte ich schon weniger Probleme. Ampeln gibt es wenig und sind vorwiegend für den Strassenverkehr bestimmt.

Sehr schön ist das alte Rathaus, in dem heute das Volkskomitee sitzt, ein Bau von Anfang 1900 und wahrscheinlich das, was man als "Kolonialstil" bezeichnet, eine Mischung europäischer und asiatischer Architektureinflüsse, mit Hinsicht auf das Klima meist leicht und luftig gebaut. In diesem Stil habe ich noch etliche Gebäude gesehen, leider werden sie nicht besonders gepflegt, sind deshalb auf Grund ihres Alters oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen, verwohnt, sowie eingerahmt und durchsetzt von Anbauten, Provisorien, Gebäuden neueren Datums. Die Oper (1900) und das zentrale Postamt (1891) sind ebenfalls erwähnenswerte und im guten Zustand befindliche Gebäude. Der Kathedrale mit ihrer etwas törichten Marienstatue, von deren Kopf eine Taube verwundert auf all die fotografierenden Leute herunter sah, konnte ich nichts abgewinnen.

Ich ging die Dong Khoi, die Flaniermeile Alt- und Neusaigons, hinunter zum Saigon-Fluss, der hier aber ein eher wenig malerisches, von  Industrie geprägtes Bild abgibt und kam dabei am Majestic Hotel vorbei. Dieses Haus ist  berühmt, weil hier Anfang der 50iger Jahre Graham Greene seinen Roman "Der stille Amerikaner" entwarf, in dem er mit Intuition und stimmungsvoll vieles von dem schilderte, was zu seiner Zeit und später die Geschichte dieser Stadt und dieses Landes beeinflusst hat.

Morgen früh fliege ich für eine Woche nach der Insel *** ****, (die Sternchen hat dieser Blog eingesetzt, wahrscheinlich ist ein Filter aktiv, der den Namen der Insel für etwas Unanständiges hält, auch die Art Baum,  an denen Kokosnüsse hängen - ja, die ****e - ist ihm anstössig), wo ich ein bisschen die Beine und die Seele baumeln lassen will. Ich bin ganz froh, dass ich diesen Aufenthalt  gebucht habe, denn die vergangene Woche war bei allem Schönen und Interessanten nicht ganz ohne Anstrengung. Jeden zweiten Tag früh aufstehen, sei es wegen einer Exkursion, sei es, um zur nächsten Station der Reise anzutreten - da freut man sich, wenn man mal für ein paar Tage nicht den Rucksack packen muss.

Es bewahrheitet sich einmal wieder, dass einem die Zeit lang vorkommt, wenn sie mit vielen Ereignissen gefüllt ist. Was, es soll gerade nur eine Woche her sein, dass ich von Berlin los flog? Kaum zu glauben! Bin ich nicht schon ewig hier?



Ankunft in Saigon

Geschrieben am 17.01.2010 um 02:36
Gestern morgen um halb acht bestiegen mein Guide und ich wieder ein Boot, um einen der vielen schwimmenden  Märkte auf dem Mekong zu besichtigen. Unserer lag bei Cai Rang und das Motorboot brauchte ungefähr eine halbe Stunde dorthin. Unterwegs begegneten wir bereits Frachtbooten, die  mit Melonen, Kartoffeln und sonstigem Obst und Gemüse aber auch mit allen möglichen Dingen des täglichen Bedarfs beladen waren. Oft wurden Boote von einzelnen Männern und Frauen gesteuert, oft war auch ein ganze Familie an Bord. Sehr niedlich, wie sicher und angstfrei sich selbst kleine Kinder von drei, vier Jahren auf den Booten bewegen. Über die Kinder mit ihren lachenden Gesichtern, den dunklen Augen und der schwarzen Ponyfrisur liesse sich überhaupt viel sagen. Mir kommt es vor, als ob sie sehr früh schon selbstständig werden und richtige kleine Persönlichkeiten sind. Ohne Zweifel sind die Menschen hier sehr kinderlieb. Nett zu sehen, wie sich jeder mit ihnen abgibt. Andererseits halten sich die Eltern aber aus dem Leben der Kinder heraus und greifen nur ein, wenn ersichtlich ist, dass es allein nicht weiter kommt. Sehr früh müssen sie auch schon Aufgaben im Haushalt, auf dem Boot wahrnehmen. Ich habe sowohl Mädchen als auch Jungen sich mit den großen Ruderstangen abmühen sehen.

Ausser den Frachtbooten gab es noch zwei, drei Boote mit Touristengruppen. Man wird wohl ein bißchen Sorge tragen müssen, dass nicht eines Tages mehr Touristen als Händler die Märkte füllen.
Schliesslich waren wir am Ziel. Sich durch all die Kähne und Flöße hindurch zu lavieren, erfordert vom Bootsführer viel Geschick - es geht fast so zu wie bei den Mopeds auf den Straßen, nur das die Kähne eben behäbiger reagieren. Ein Muster dessen, was der einzelne Händler zu bieten hat, hängt er an eine lange, fahnenmastartige Stange. Die Bootsplätze bekommen die Händler von der Regierung, nach Aukunft meines Guides zahlen sie dafür nichts. Uniformierte auf einem Boot, die eine Art Verkehrspolizei darstellten,  schritten mit wenigen Winken und der hier üblichen Unaufgeregheit ein, wenn das Gedränge allzu unübersichtlich wurde.

Wir manövrierten eine ganze Weile durch die Gassen und traten dann die Rückfahrt an. Eine halbe Stunde hatte ich noch Zeit, meinen Rucksack zu packen und noch einmal unter die Dusche zu gehen, dann ging es auf zu der langen Landfahrt nach Saigon. Wir mussten den Fluss mit einer Fähre überqueren, was bei dem vorhandenen Andrang etliche Zeit dauerte. Dann lagen noch mindestens vier Stunden vor uns. Ich hatte wieder Gelegenheit, mich über den chaotischen Verkehr zu wundern und Land und Leute an den Straßenrändern zu betrachten.

Was man sieht, kann man wohl nicht als "Wohlstand" bezeichnen, jedenfalls nicht, wenn man unseren Begriff davon zum Maßstab nimmt. Aber Stände und Läden sind gut mit Waren gefüllt, und von Autoteilen, Kacheln, Dachziegeln bis zu Kleidung und Möbel is alles zu haben. Die grundlegende (typisch asiatische?) Bauform scheint der Würfel oder Quader zu sein, dass heißt letztendlich: vier Pfähle in die Erde gerammt und ein Dach darauf. Diese Würfel werden je nach Bedarf neben-, hinter- oder übereinander gestellt und fertig ist das Haus, der Laden, die Garage, die Werkstatt usw. Diese Würfel sind je nach Wohlstand und Verwendungszweck aus Holz, Wellblech, Ziegelstein. Die reichen Häuser sind verputzt und haben noch kleine Extrawürfel zum Schmuck, die statt der Pfähle  Säulen und allerlei Zierrat haben und in den hier so beliebten kräftigen Pastellfarben getüncht sind. Für Weltgegenden, in denen auf Grund des Klimas keine Heizung und Wärmeisolierung notwendig ist, ist das eine sehr praktische und geradezu universelle Bauweise. Nach Bedarf lässt sich so ein Würfel anbauen oder abreissen. Dafür, ob das Ganze stabil ist, müssen die Bewohner wohl schon selbst sorgen, es scheint kein Bauamt zu geben, dass den Leuten Vorschriften macht.

Dann und wann wird man auf der Fahrt daran erinnert, dass man sich in einem sozialistischen Land aufhält. Hier eine Onkel-Ho-Statue, dort irgendein Gebäude mit rotem Stern, Fahnen dund Fähnchen, einige, allerdings meist verblichene Plakate mit Losungen dem bekannten heroischen Propagandastil. Wenn dicht daneben eine Reklame für irgendein Hautgel steht, wird einem bewußt, dass beides eine gewisse Ähnlichkeit miteinander hat: Die Dame, die sich dank Wischwaschweg nun besser fühlt, schaut genauso heroisch durch einen hindurch wie der Arbeiter, der wild entschlossen ist, demnächst seine Norm zu erfüllen.

Sonst am Wege: Blumen,  Tropenvegetation, immer wieder Wasser, Menschen entweder bei irgendeiner Arbeit oder in einer Art ländlicher Cafeteria sitzend, plaudernd. Nicht selten sind dort Hängematten aufgespannt, die um die Mittagszeit auch gern genutzt werden. Kurz: überall die seltsame Mischung aus emsiger Geschäftigkeit und Geruhsamkeit. Dazu Kinder, die zusammen spielen, sich für sich beschäftigen oder auf den Erfrischungsstand der Eltern aufpassen, Schüler die auf Fahrrädern in den blütenweissen Hemden  ihrer Schuluniformen auf dem Fahrrdad unbekümmert im Verkehrschaos eine Lücke suchen. Von den Älteren scheint jeder einen Motorroller zu haben, die von der Firma Honda scheinen die beliebtesten (oder erschwinglichsten?) zu sein.

Überhaupt, die Motorroller! Abgesehn dass man nicht sellten drei oder vier Personen (Kleinkinder in der Mitte oder als erstes hinter dem Lenkrand) auf so einem Gefährt sieht: Was nicht alles mit diesen Vehikeln transportiert wird. Türme von zusammengebundenen Dingen, die den Fahrer beträchtlich überragen, riesige Pakete, die er vor sich hat, so dass er kaum mit dem Arm die Lenkstange erreicht, und, damit sich's lohnt, hinten drauf noch einmal die gleiche Ladung. Man sollte unsere Polizisten einmal hierher schicken. Sie würden, wenn sie den Infarkt überleben, wohl ganz kleinlaut und bescheiden werden.

Apropos Polizei. Man sieh kaum welche. Nur an den Hauptkreuzungen der Städte und an neuralgischen Punkten, z.B. der Auffahrt zur Fähre. Bei dem Verkehr würde sie vieileicht auch niemand bemerken.

An einer recht hübschen Raststätte mit Rasen, Seerosenteichen und verschiedenen Pavillons, in den es etwas zu essen gab, machten wir Zwischenstation, um uns die Beine etwas zu vertreten.

Dann gings zur letzten Etappe und wir fuhren schliesslich gegen  16:00 in Saigon ein. Da ich irgenwann unvorsichtigerweise einmal gesprächsweise erwähnt hatte, dass mir asialtische Lackarbeiten  ein Begriff
sind und ich auch schon einige schöne Gegenstände, allerdings altchinesischer Herkunft gesehen hätte, fuhr mein Führer mich noch in eine Fabrik, wo dergleichen Dinge hergesgtellt werden. Ich konnte ihm das schlecht abschlagen, denn in den insgesamt drei Tagen, in denen er mich betreute, war er ein freundlicher und liebenswürdiger Zeitgenosse, mit dem ich trotz der Sprache (sein Englisch war mir mitunter - wenn aufs ganze gesehen auch eher selten - genau so schlecht verständlich wie das meine ihm) auf einen persönlichen Fuß kam. Nun ja, es war ja auch recht interessant, den Herstellungsprozess solcher Gegenstände einmal gezeigt zu bekommen. Natürlich war auch ein Laden dabei, wo man Lackarbeiten kaufen konnte. Als Besitzer einer kleinen schwarzen Schale mit einer Einlage, die möglicherweise wirklich Perlmutt ist, zog ich von dannen.

Schließlich erreichten wir mein Hotel, dessen Zimmer von der nun schon fast gewohnten Großzügigkeit ist. Ich war von der langen Autofahrt abgespannt und unternahm nichts weiter, blätterte etwas in meinem Reiseführer, schaute im Internet nach, was es Neues gibt (das anscheinend furchtbare Erdbeben in Haiti) und ging früh schlafen.

Heut Morgen um 7.00 stand ich auf, freute mich ausgiebig der Dusche und ging dann frühstücken.  Zunächst war ich entsetzt. In dem Saal standen, fast voll von Reisenden besetzt,  langeTischreihen. wie im Refektorium eines Klosters Zunächst dachte ich, ich wäre unvermutet in den Raum geraten, wo Reisegruppen abgefertigt werden. Aber nein, es war der einzige Frühstücksraum. Schließlich fand ich doch Platz an einem etwas kleineren Tisch, machte ein bißchen englische Good morning Konversation, bis ich, als meine Tischgenossen etwas untereinander besprachen, merkte, das ich es mit Landsleuten zu tun hatte, den ersten, denen ich hier begegnet bin. Das übliche woher-wohin, sie waren im Norden Vietnams und wollten demnächst weiter nach Manila, wo sie irgendwo für zwei Monate eine Wohnung gemietet hatten. Wohlhabende Rentner also. Ich fand durch diese Bekanntschaft das Ambiente nun nicht mehr ganz so unerträglich und konnte meine Aufmerksamkeit dem Buffet widmen, das allerdings so reichhaltig und gut wie überall bisher war.

Von Chau Doc nach Can Tho

Geschrieben am 15.01.2010 um 07:54
Am Morgen holte mich der freundliche Guide von gestern zu einer Bootspartie auf dem Mekong ab. Wir fuhren eine Strecke auf dem Fluss, auf dem es geschäftig zuging. Fischer warfen ihre Netze aus, eine Art schwimmende Tante-Emma-Läden kreuzten unseren weg, die Menschen machten sich in ihren schwimmenden Häusern zu schaffen, Kinder winkten. Der Guide erzählte, dass es für die Position dieser Häuser vom Staat Lizenzen gäbe. Die Häuser sind von der Zeit gezeichnet, wer weiss wie viele Generationen hier schon wohnen. Aber sie machen in der Regel keinen verfallenen oder vernachlässigten Eindruck, wirken sauber und so weit es geht, aufgeräumt, oft sieht man Blumen oder farbige Stoffe als Dekoration.

Wir legten bei einem Dorf der Cham an. Das ist eine ethnische Minderheit, die sich inmitten von buddhistischen oder hinduistischen Traditionen für den Islam entschieden hat. Im Mittelalter Angehörige eines großen Reiches (Champa) sind sie von den umgebenden Völkern zurückgedrängt worden. Äusserlich erkennt man sie vor allem an ihrer eigentümlichen Tracht, auch haben sie einen etwas dunkleren Taint als etwa die Viet.

Wir besichtigten auch die Moschee, leider nwar sie nur von aussen zu sehen.

Die nächste Station war eine Fischzüchterei. Man kennt das wohl schon aus Filmen über das Land: Schwimmende Häuser, in deren Boden Öffnungen für dieFischkäfige eingelassen sind. Es wird vor allem eine Sorte, die mein Begleiter Catfish nannte,
Man konnte eine Handvoll Futter in die Öffnungen werfen und zusehen, wie sich die Tiere mit viel Wirbel und Wellenschlag darum balgten.

Nach dem Bootsausflug ging es mit dem Auto in einer mehrstündigen Fahrt nach Can Tho, nach Saigon die größte Stadt hier im Delta, deren Industrien und Universität Menschen aus dem ganzen Land anziehen.

Man könnte denken, die Fahrt über Land wäre eintönig. Aber das ist nicht so. Zumindest entlang der Strasse erkennt man kaum, wo ein Ort aufhört und ein anderer anfängt. Oft waren linkerhand mehr die städtischen Bereiche, rechts die bäuerlichen mit Reisfeldern, Obst- und Gemüseanbau. Der Guide erzählte, das der Einkommensunterschied zwischen "links" und "rechts" erheblich sei.

Es gibt so ziemlich alles, nur nicht wie bei uns in Supermärkten und Warenhäusern, sondern in schnell zusammen gezimmerten Läden aus Holz und Wellblech. Ob das ein Zeichen von Armut ist, bezweifele ich, es scheint eher die Art und Weise zu sein, wie man seit Jahr und Tag eben Handel treibt. Es gibt keine Not, das zu ändern. Das Strassenbild bietet eine seltsalme Mixtur aus Geschäftigkeit und Gelassenheit. Einerseits tut irgendjemand immer rirgendetwas, Autos waschen, den Laden reparieren, Waren ein- und ausladen, mauern, hämmern. Gruppen von Jugendlichen sitzen um ein Motorrad herum und beraten, wie man es am besten wieder in Gang bekommt (ich glaube, man könnte in den Läden alle Einzelteile kaufen, die man braucht, um ein Auto selbst zusammen zu bauen, und wenn einer zufällig Zeit hat, hilft er Dir dabei). Andererseits sitzen viele junge Leute untätig herum, Gruppen schwatzen über das Neueste vom Tage oder über den letzten Hahnenkampf, der hier sehr beliebt zu sein scheint.

Für den europäischen Autofahrer wäre die hiesige Fahrweise wohl ein Alptraum. Zwar hält sich jeder, wenn es denn geht, vage auf der rechten Seite, aber eine Spur gibt es nicht. Fahrräder und Mopeds nutzen jede sich bietende Lücke aus und wenn dann auch noch unverhofft eine Seitenstrasse einmündet,
ist das Chaos perfekt. Rechts überholen - warum nicht, wenn gerade Platz ist? Verkehrszeichen oder Ampeln sind eher die Ausnahme und bestenfalls im Zentrum der Städte. Aber selbst Knirpse von fünf oder sechs Jahren fahren in diesem Trubel unverdrossen, schwatzen mit ihrem Nebenmann.

Schulkinder fallen auf durch ihre schneeweissen Hemden (auch in Kambodscha schon). Die armen Mütter, die die jeden Tag waschen müssen!

So ging es die Strecke lang, man hatte ständig etwas zu sehen, dann und wann plauderten mein Guide und ich über dies und das. Es zeigt sich mal wieder, dass man, wenn man eine Fremdsprache (englisch) sprechen muss, das auch einiemassen kann. Wird man beim ersten Mal nicht verstanden, versucht man eben anders zu formulieren. Es ist auch die beste Art, festzustellen, wo es in der eigenen Sprachfertigkeit noch hapert. Mir ist nicht selten passiert, dass ich in dem Moment, wo ich einen Satz ausgesprochen habe, auch merkte, dass etwas und was daran falsch war.

Schließlich erreichten wir Can Tho und ich bezog wieder einmal ein ziemlich luxuriöses Hotelzimmer. Ich habe ja nun im Laufe der Zeit schon in manchen Hotels in verschiedenen Städten gewohnt, aber ich muss sagen, was ich in Kambodscha und Vietnam bisher erlebt habe, übertrifft alles. Nicht nur die Größe der Zimmer, sondern auch die Ausstattung sind bemerkenswert, das Frühstück ist opulent - in Pnomh Penh war es einfacher, aber immer noch gut.

Von meinem Fenster im 5. Stock sehe direkt auf den Fluss, an seinem diesseitigen Ufer ist ein hübscher Park, den ich nachher besuchen will. Das Wetter ist etwas diesig aber sieht nicht nach Regen aus.



 

Auf dem Mekong von Kambodscha nach Vietnam

Geschrieben am 14.01.2010 um 01:14
Ein Schnellboot legte um 12.40 vom Kai in Phom  Penh ab und brachte die anderen Passagiere und mich in zwei Stunden zum kambodschanischen Grenzübergang. Dort erhielten wir einen Ausreisestempel und gaben den Ausreiseschein ab. Das ging schnell, nach einer viertel Stunde waren wir wieder im Boot und nach etwas Fahrt war der vietnamesische grenzposten an der Reihe. Auch hier war die Abfertigung erfreulich unkompliziert: Pass abgeben, Einreiseschein ausfüllen, Stempel, fertig. Die halbe Stunde, die in meinem Reiseführer angegeben war, hat es nicht gebraucht. Bei der Gelegenheit konnte man vietnamesische Währung zu einem Kurs eintauschen, der dem offiziellen entspricht. Nun bin ich reich, denn ich habe 370 000 Dong (VND). Das sind 20 US$.
Hinter der Grenze ging es noch eine Weile weiter, die Ufer des Mekong, bisher flach und bis auf einige weise vor sich hinkauende Kühe und gelegentlicher Industrie eher monoton, belebten sich allmählich. Schließlich reihte sich Dorf an Dorf, alle Häuser auf Pfählen und deren Bewohner entweder beim  fischen,  bei der Pflege ihrer Boote oder bei der Wäsche.
Schliesslich langten wir in Chau Doc an, wo bereits der Mann von der Reiseagentur wartete, mich zum Hotel fuhr und den Plan für morgen mit mir beredete.

 Bei dieser Gelegenheit ist einmal ausdrücklich  die ganz hervorragende Organisation sowie die Freundlichkeit der Menschen hervorzuheben. Vielleicht etwas charakteristisches dazu: Der Mann auf dem Boot, der schon einmal im voraus unsere Pässe prüfte, ging an den Passagieren, die gerade schliefen, vorbei und prüfte erst mal die  Anderen. Als später die Schläfer wieder wach wurden, holte er es nach.

Kurz nach 17.00 hiesiger Zeit hatte ich mein Hotelzimmer, das wieder sehr großzügig ist, mit Beschlag belegt. Nach einigen kleinen Problemen mit der Internetverbindung ging auch diese und so konnte ich alles, was in den letzten Tagen sich angesammelt hatte, diesem Blog anvertrauen.

Phnom Penh

Geschrieben am 14.01.2010 um 12:37

Am 13.10. stand eine Stadtrundfahrt auf dem Plan. Normalerweise bin ich für solche Touren nicht zu begeistern, aber sie ist Teil meiner Reisebuchung und in Anbetracht des nur kurzen Aufenthaltes in Pnomh Penh war sie angeraten. An ihrem Ende zeigte sich übrigens, dass das sinnvoll war, denn ich bin durch Stadtteile gefahren, die ich auf Grund der Entfernung per Fuß wohl nicht gesehen hätte.


Um 08.30 standen Fahrer und Guide vor dem Hotel und es ging los. Zunächst zum Königspalast, einem großen Komplex mit Garten und mehreren Gebäuden, unter anderem auch der „Silberpagode“. Allerdings ist dieser Palast erst neueren Datums (ich glaube, um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert erbaut) und löst bei mir ähnliche Eindrücke aus wie bei uns zu Hause neogotische Gebäude: Irgendwie ganz imposant, aber doch auch irgendwie unecht, opernhaft. Ich sah u.a. den Krönungssaal mit vielen goldenen Buddhafiguren, diverse Stupas (buddhistische Grabdenkmäler), als Kuriosum ein Denkmal des Königs Norodom, das früher einmal eines von Napoleon III gewesen ist und nur durch auswechseln des Kopfes nun einem anderen gewidmet ist. So praktisch sollte man es immer halten.


Die „Silberpagode“ hat ihren Namen von dem mit vielen kleinen Silberplatten belegten Fußboden, der heute aber zur Schonung größtenteils mit Teppichen bedeckt ist. In dem Gebäude sind archeologische Fundstücke und Schmuck ausgestellt.


Quer durch die Stadt ging es dann weiter zu einer „Apsara Foundation“, einer Art Schule, wo Kinder kostenlos in den traditionellen Tänzen ausgebildet werden. Sie machen das neben ihrer Schulzeit in einem durchaus tagesfüllenden Übungsprogramm. Sinn dieses Besuches war sicher in erster Linie, den Besucher zu einer Spende für das private Unternehmen zu veranlassen. Es war jedoch durchaus lohnend, den Kindern bei ihren Tänzen zuzusehen. Rührend war der unverkrampfte, fröhliche Ernst, mit dem sie bei der Sache waren.


Die nächsten beiden Stationen gehören inhaltlich zusammen und beziehen sich auf die tragische Zeit, als Pol Pot und die Roten Khmer ihr Unwesen in Kambodscha trieben. „Killing Fields“ ist einer der Exekutionsplätze, wo täglich Hunderte grund- und wahllos massakriert wurden. Heute steht dort eine Strupra, in der Schädel der Opfer aufgetürmt sind. Die Massengräber sind andeutungsweise noch zu sehen und nicht selten sieht man dicht unter den Wegen, die man geht, noch einzelne Knochen. In einem kleinerem Gebäude wird nicht nur versucht, das Grauen nüchtern und sachlich zu dokumentieren, sondern auch der Lebensweg der Mitglieder der Pol Pot Clique dargestellt. Es waren alles Leute, die ein Studium absolviert und durchaus zur Elite des Landes gehört hatten!


Bevor die Gefangenen zu den Exekutionsplätzen geschafft wurden, wurden sie verhört und gefoltert. Das geschah in sogenannten Sicherheitsorganisationen. Die berüchtigste ist die S21, eine ehemalige Schule. Das war der nächste Ort, zu dem ich gefahren wurde. Man kann das nicht fassen! Quadratmetergroße Zellen, die in die früheren Klassenräume gemauert wurden. Ausgestellt sind Folterinstrumente und viele, viele Fotos der Opfer, die, damit alles seine Ordnung hat, erkennungsdienstlich erfasst wurden.


Nachdenklich stimmt der Bildbericht eines schwedischen Journalisten, der seinerzeit die Möglichkeit hatte, mit einer Delegation durchs Land zu reisen und die Früchte der glorreichen Revolution zu begutachten. Er war seinerzeit selbst von der kommunistischen Revolution begeistert und glaubte nun, hier den Anbruch des neuen Menschen zu sehen. In einem einleitenden Text entschuldigt er sich zunächst für seine Blindheit und Voreingenommenheit. Unter die Fotos, die er damals aufnahm, hat er seine damaligen Kommentare dem gegenübergestellt, was er heute über die Dinge denkt: Ein sehr lehrreiches Beispiel, wie sehr man durch „Überzeugungen“ in die Irre gehen kann. Natürlich hat man ihm damals nur das gezeigt, was er sehen sollte – und er sah nur das, was er sehen wollte. Das hat er dann in aller Welt verkündet und sich damit zu einem Propagandawerkzeug des Pol Pot Regimes gemacht.


Die letzte Station der Rundfahrt war das Nationalmuseum von Kambodscha. In dem modernen, aber traditionelle Formen aufnehmenden Bau sind Funde aus der kambodschanischen Geschichte ausgestellt, darunter auch Skulpturen aus Angkor.

Der Guide und der Fahrer verabschiedeten sich, und ich verbrachte in dem schönen Gebäude und in seinem mit Seerosenteichen ausgestatteten Innenhof mehrere Stunden.

Über den Tonle Sap: Von Siem Reap nach Phnom Penh

Geschrieben am 14.01.2010 um 12:30

Am 13.01. wurde ich in aller Frühe (06:00) vom Fahrer abgeholt, der mich zur Anlegestelle des Bootes nach Phnom-Penh bringen sollte. Es ging eine dreiviertel Stunde lang durch das gerade morgendlich erwachende Siem Reap. Die Menschen rüsteten sich zu ihrem Tagewerk. Läden wurden geöffnet, Lasten auf Motorrädern befördert, Vieh wurde auf's Feld gebracht, mit Besen und Lappen wurde hantiert. Je länger wir fuhren, desto mehr nahmen armselige, nach allen Seiten offene Hütten oder ganz einfache Verschläge am Straßenrand zu, anfangs noch durchsetzt mit stattlicheren Bauten, später aber allein das Bild beherrschend. Die Armut der Leute, die ihr Morgenleben in aller Öffentlichkeit führten, kochten, wuschen, die Kinder hüteten, ist unübersehbar. Dass auf vielen Anwesen ein blitzendes Motorrad oder Moped steht, widerspricht dem nicht. Es ist wahrscheinlich das Vehikel, das den Unterhalt der Familie sichert und das man sich deshalb vom Munde abspart. Waren werden damit zu und von den Märkten transportiert, Baumaterial und Einrichtungsgegenstände herangeschafft. Überhaupt kann man sich in dieser Armut wohl nur durch Mobilität behaupten: Schauen, wo es einen günstigen Handel gibt, einen Tagesjob, einen Gefälligkeitstransport.


Wir erreichten schließlich die Anlegestelle, der Fahrer gab mir noch das Bootsticket, wies mich auf das unterhalb einer Böschung liegende Boot, machte mich darauf aufmerksam, dass es während der sechsstündigen Fahrt an Bord nichts zu essen und zu trinken geben würde und verabschiedete sich dann. Ich nahm mein Sack und Pack, ging zum Boot herunter, verstaute den größeren Teil in einer Luke und suchte mir dann einen Platz. Es waren schon einige andere Fahrgäste da und es kamen im Laufe der Zeit noch etliche dazu, Einheimische, Engländer oder Englisch Sprechende, Holländer aller Altersgruppen. Dass es auf der Fahrt keine Verpflegung gegen würde machten sich junge Mädchen zunutze, die auf einem Tablett Trinkwasser, Cola, eine kleine Sorte Bananen und anderes Essbares zum Verkauf anboten. Freilich kamen sie in so großer Zahl und boten ihre Ware so ausdauernd an, dass man nicht nur befürchten musste, dass sie sich das ohnehin geringe Geschäft gegenseitig ruinierten (allerdings konnte ich ein Konkurrenzverhalten nicht beobachten), sondern auch ein wenig genervt war. Ich habe mir schließlich eine große Flasche Trinkwasser gekauft und verschaffte mir mit dem Hinweis auf diese etwas Ruhe. Ich will es aber unterstreichen: Die Angebote erfolgten freundlich und durchaus nicht aufdringlich, nur dass es so viele waren und sie, sobald neue Passagiere eingetroffen waren, aufs Neue ihre am Ende doch ziemlich hoffnungslose Runde machten, zehrte ein wenig an meiner Geduld. Mehr auf die Nerven ging mir allerdings das Verhalten der Touristen, die in bekannter Manier nie ruhig auf einem Fleck sitzen konnten, alle drei Minuten aus und wieder einstiegen, wie eine losgelassene Schulklasse überall herum kletterten und mit zig Schnappschüssen ihr Dasein an diesem Ort für die Ewigkeit glaubten, aufbewahren zu müssen.



Schließlich legten wir um 07:40 ab (vielleicht ein Beispiel asiatischer Gelassenheit?: Planmäßige Abfahrt war 07:00) um über den Tonle Sap nach Phnom Penh zu gelangen.


Der Tonle Sap ist ein großer Binnensee. Auf manchen Streckenabschnitten sah man auf keiner Seite ein Ufer und fühlte sich wie auf dem Meer. An anderen Stellen waren auf kleinen Inseln, ja selbst auf Flössen und Bootskörpern regelrechte Dörfer zu sehen, die ihre Position mit dem Wasserstand ändern können. In der Regenzeit drückt der Mekong zusätzliche Wassermassen in den See, der Wasserstand steigt und überflutet die Ufer.


Da ich wohl noch nicht richtig im Tagestakt bin, habe ich, nachdem ich die letzte Nacht so gut wie kein Auge zugetan hatte, auf der Fahrt meistens geschlafen. Außer ein paar besonders Zappligen und Unentwegten taten das nach einiger Zeit auch meine Mitpassagiere. Bemerkenswert fand ich, dass die Bootsmannschaft nichts dazu sagte, dass die Leute überall auf dem Boot, auch auf den nur gut fußbreiten Rändern herum turnte. Natürlich gab es überall Gelegenheiten, sich festzuhalten. Aber ein Kapitän etwa der „Weissen Flotte“ hätte sich in vergleichbarer Situation wohl anders aufgeführt.


Nähere und festere Ufer, auf denen Gruppen von Pfahlhäusern – darunter auch Neubauten, die den traditionellen Stil mit modernen Baustoffen aufnahmen – kündigten schließlich an, das wir am Ziel waren. Industriebauten, eine Moschee, zeitgenössische Gebäude im Allerweltsstil kamen hinzu und verdichteten sich allmählich zur Großstadt. Wir waren in Phnom Penh.


Sobald wir noch kaum festgemacht hatten, strömte eine Horde von Taxi- und Tuktukfahrern aufs Boot. Jeder wollte einen Kunden bekommen. Die großen Gepäckstücke aus der Luke wurden ausgeladen, ich konnte mich nicht retten vor Leuten, die ihn tragen – und mich natürlich zum Hotel bringen - wollten. Schließlich hatte ich mich für Einen entschieden, sah aber im nächsten Moment jemanden, der einen Zettel mit meinem Namen hoch hielt und von der Reiseagentur, die mich hier betreut, geschickt worden war. Große Enttäuschung seitens des Ersteren.


Auf dem See war es, auch durch den Fahrtwind, angenehm kühl. In der Stadt und im Auto meines Fahrers merkte ich dann, dass ich in tropischen Regionen bin.


Wir hielten schließlich vor meinem Hotel, einem im französischen Kolonialstil errichteten älteren Gebäude in einer ruhigen Seitenstraße und nach Ausfüllen des üblichen Anmeldeformulars nahm ich mein Zimmer im Augenschein, das etwas weniger luxuriös ist als das in Siem Reap, aber auch schön groß und mit allem, was dazugehört. Die Dusche im Bad habe ich erst gar nicht gesehen, weil sie einfach, ohne räumliche Abgrenzung, an der Wand hängt.

Flug, Siem Reap, Angkor

Geschrieben am 10.01.2010 um 04:58
Am 08.01.2010 um 17:50 hob der Flieger pünktlich ab, der mich zunächst nach Amsterdam brachte. Schiphol ist ein großer Flughafen und ich brauchte einige Zeit, vom Ankunftsterminal D zum Abflugsgate  F09 zu laufen.

Dort nahm mich dann eine große Boeing auf, die mich nach Bangkok brachte. Nachdem sie zunächst geradewegs zurück und über Berlin hinwegflog, schwenkte sie auf einen südöstlichen Kurs ein. Da meistens Filme auf den Displays liefen, konnte ich den Kurs nur teilweise verfolgen. So flog ich über Afghanistan, Indien (Agra), Myanmar (Rangoon).

In Bangkok wurden die Passagiere, die noch weiter wollten, gleich von zwei freundlichen Hostessen in Empfang genommen und durch den ebenfalls riesigen Flughafen zum Abflugterminal nach Siem Reap in Kambodscha geleitet. Nicht nur, dass es auf eigene Faust ziemlich schwieirig gewesen wäre, sich zurechtzufinden: auf diese Weise blieb uns das Ausfüllen der thailändischen Ein- un Ausreiseformulare, die bereits im Flugzeug verteilt worden waren, erspart.

Was mir hier zum ersten Mal auffiel, ist nicht nur die extreme Sauberkeit –  andauernd fegte jemand, oft mit Mundschutz angetan, irgendetwas – sondern auch eine gewisse Tendenz zu anscheinend fortwährend frisch gebügelten militärischen Uniformen, die jedoch durch die durchgehende Freundlichkeit und durch den hübschen Menschenschlag ein entschiedenes Gegengewicht erhielt.

Am Schalter konnten die Passagiere, zu denen auch ich gehörte, die für Kambodscha noch kein Visum hatten, schon einmal die Einreiseformalitäten ausfüllen, die nicht sehr umfangreich waren: Ein Visumantrag, eine Zollerklärung und eine Einreisekarte, deren zweiter Teil bei der Ausreise wieder abgegeben werden muss.

Schließlich hob der Flieger am 09.01. um 15:10 Ortszeit pünktlich ab und landete eine Stunde später auf dem kleinen Flughafen in Siem Reap. Hier schlug mir nach dem vorherigen Aufenthalt in vorwiegend klimatisierten Umgebungen das erste Mal die tropische Luft mit 30° entgegen, durchaus angenehm, hatte ich Berlin doch bei Minustemperaturen und Androhungen gewaltiger Schneemengen verlassen.

Rückblickend war der Flug trotz der Länge erträglicher als befürchtet. Da ich dann und wann etwas schlummern konnte, fühlte ich mich auch nicht total übermüdet. Ich war froh, dass ich da war und war neugierig, wie es weiter gehen würde. Ob auch der Rucksack, den ich in Berlin aufgegeben hatte, die lange Strecke und das mehrfache Umladen mitgemacht hatte?


Zunächst ging es zur Ausstellung des Visums. Im Flugzeug war zu den Formularen noch ein auszufüllender Gesundheitscheck gekommen, der als erstes eingesammelt wurde. Dann ging es zu einer langen Theke, wo an die zehn würdige Uniformierte wie am Fließband saßen. Der erste nahm den Pass und die Gebühr (20 US$) entgegen, und dann wurde der Pass weitergereicht und an jeder Station mit einem Einkleber sowie mehreren Stempeln und Unterschriften versehen. Mich mutete das etwas lustig an, man kann aber nicht abstreiten, dass die Abwicklung dadurch sehr effektiv wurde. Nach einer nochmaligen Passkontrolle und der Abgabe der Zollerklärung war ich dann wirklich angekommen und trat durch die Ausgangstür.


Da streckten sich mir zunächst etliche Schilder mit Namen entgegen. Als ich durch eine Geste meine Verblüffung und meine Hoffnungslosigkeit, unter den vielen Namen meinen eigenen zu finden zum Ausdruck brachte, erregte ich einige Heiterkeit. Ich gebe zu, dass das freundliche Lachen dieser meist jungen Leute mich gleich ein Stück mehr zu Hause fühlen liess.

Schließlich fand ich „mein“ Schild und „meinen“ Driver. Er gab mir zunächst den Gutschein für das Hotel sowie den Plan für die nächsten Tage und fuhr mich dann, vorbei an vielen Hotelneubauten, die wie Pilze aus dem Boden schießen, zum „Casa Angkor“.

Ich bekam ein großes Zimmer mit großem Bad und Klimaanlage, das für europäische Verhältnisse wohl schon mindestens vier Sterne bekäme und ein mehrfaches des hiesigen Preises kosten würde.


Um in den richtigen Takt zu kommen, blieb ich trotz nun doch spürbarer Müdigkeit bis zum Abend auf und machte einen kleinen Bummel durch den Ort. Man wird sehr häufig angesprochen, ob man in ein Restaurant eintreten, ein Motorbike oder ein Tuktuk (das sind Motorräder mit einem offenen, kutschenähnlichen Anhänger, in dem vier bis sechs Personen Platz finden) mieten möchte, natürlich immer supergünstig. Das geschieht aber ohne Aufdringlichkeit, wenn freilich die Häufigkeit schon etwas nervt. Der Ort ist ein Provinznest, der seit Jahren wegen der Nähe zu den Angkor-Tempeln einen mächtigen Boom erfährt, und entsprechend steht alles ziemlich unharmonisch nebeneinander: kleine Kramläden und Boutiquen, unansehnliche 0815-Gebäude und protzige Hotels.


Am 10. 01. holten mich frühmorgens der Guide und sein Driver zur Tour nach Ankor ab. Der Guide war ein freundlicher junger Mann, der unentwegt in meist verständlichem Englisch sein Wissen ausbreitete. Er war sehr angenehm und besorgt, aber ein nächstes Mal würde ich doch, glaube ich, lieber nur die Fahrt mieten. Die fortwährend sprudelnden Erklärungen lenkten hier und da von dem, was ich sah, ab. Aber er meinte es gut. Hin und wieder kam das Gespräch auch auf seine und meine privaten Umstände, allgemeine Lebensbedingungen usw.

Wenn man das eine oder andere bereits aus Bildern, Büchern und Filmen kennt, ist der Eindruck der Wirklichkeit nicht mehr „überwältigend“, aber großartig bleibt es dennoch. In dem ausgedehnten Gelände haben wir die merkwürdigsten Anlagen besucht: Angkor Thom mit dem Bayon-Tempel, den von mächtigen Baumwurzeln umfangenen und fast erdrückten Ta Prohm und, natürlich, Angkor Wat. Um auf diesem riesigen, sich nur mit einem Fahrzeug erschließenden Areal Alles zu sehen, würde man wohl Wochen brauchen.

Die Kraxelei in der Sonne über Stock und Stein, die oft steilen und schmalen Stufen (auf manche, zu den Türmen hinaufführenden habe ich lieber verzichtet) erinnerten mich daran, dass ich im Gegensatz zu meinem Führer kein junger Mann mehr bin.

Die Anlagen sind natürlich ein Touristenmagnet, am Vormittag jedoch verlief sich die Menge. Erst nachmittags kamen dann Scharen, Chinesen, viele Engländer, Spanier, Italiener und Russen, aber ganz selten Deutsche.

Meine Eindrücke müssen sich wohl erst ordnen. Von „fremd“ bis „vertraut“, von „gigantisch“ bis „intim“ ist die ganze Skala der Empfänglichkeit angesprochen. Besonders beeindruckt haben mich Galerien von Flachreliefs, in denen in halbplastischer Darstellung ganze Geschichten, teils aus der Hindu-Mythologie, teils aus dem damaligen Alltag, erzählt werden. Die in Stein gearbeiteten Figuren haben immer über das mythisch-schematische hinaus eine individuelle Ausprägung. Besonders eindrucksvoll ist das, wenn Heere von Soldaten abgebildet sind, die, mehrere Reihen tief, paradieren. Jede einzelne Figur ist erkennbar und jede hat ein eigenes Gesicht.

Als kleine Beigabe zum großen Tempelwunderwerk gab es frei lebende Affen, Elefanten, auf denen Touristen reiten konnten, sowie manche exotische Pflanzen, fremdartige Vögel und kleine, schwarz -orange Eidechsen, Hingegen war von stechenden Insekten glücklicherweise nichts zu sehen.

Zurück im Hotel, hatte ich ein gewisses Erholungsbedürfnis, das ich zum Schreiben dieses Berichts benutzte.

Vorwort

Geschrieben am 4.01.2010 um 07:38
Am Ende der Woche geht es los: Eine Reise nach Kambodscha und Vietnam. Ich bin gespannt und freue mich zugleich, der Kälte und dem Grauingrau hiesiger Breitengrade für gut zwei Wochen zu entrinnen. Statt Postkarten, die meinen Informationen zufolge einige Zeit brauchen, soll dieser Blog Freunde und Familie über den Verlauf der Reise auf dem Laufenden halten. Gelegentlich werde ich vielleicht auch Fotos hochladen, um meinen Bericht durch optische Eindrücke aufzulockern. Ich gehe davon aus, dass ich zumindest in den grösseren Städten ein Internetcafe oder sogar WLan im Hotel vorfinde. Dieser Blog wird eine Kreuzung von Reisetagebuch, Grüßen, wie man sie auf Postkarten schreibt, Schilderung von besonderen Eindrücken usw. sein, d.h. in lockerer Form soll - auch zu meiner eigenen späteren Erinnerung alles Platz finden, was mir vor Augen und Ohren kommt, auch dann, wenn im voraus die Nachhaltigkeit und absolute Gültigkeit der Beiträge nicht immer abzuschätzen ist.

Kategorien