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Marokko 2010

14./15.05.2010 Essaouira - Agadir - Rückflug nach Frankfurt

Geschrieben am 16.07.2010 um 10:45
Heute ist Abreisetag in Essaouira! Doch bevor wir den Bus nach Agadir nehmen, erledigen wir noch ein paar Einkäufe bei der netten Frau im Laden hinter der Stadtmauer. Eigentlich wollen wir nur noch ein paar Schals für die Kinder kaufen, doch dann sehe ich diese schöne Tasche...! Heino (und die Ladenbesitzerin sowieso) wollen mich überreden, ein grünes Kleid zu kaufen, in dem ich mich jedoch nicht wirklich wohl fühle. Dann nehme ich doch lieber noch diesen tollen Bettüberwurf mit, den man durchaus auch als Tischdecke verwenden kann. Schließlich schenkt die nette Dame mir auch noch ein Armband und so verlassen wir glücklich ihren Laden. Bevor wir ins Hotel gehen, wollen wir uns noch die Galerie von unserem Hotelier Didier Spindler ansehen, die schräg gegenüber des Dar Adul liegt. Erfreulicherweise ist die Galerie, die sich im Erdgeschoss eines ebenfalls von Spindler betriebenen Hotels befindet, kombiniert mit einer Boutique, in der es vor schönen Kleidern nur so wimmelt. Überhaupt ist das ganze Haus ein Kunstwerk. Hier finde ich jedenfalls ein wunderschönes Kleid, das mir der Künstler und Hausherr, weil es mir so gut steht (Alter Charmeur!), mit 50 Dh Nachlass verkauft.

Nachdem wir die ganzen Einkäufe in unseren Taschen verstaut haben, verlassen wir etwas wehmütig das Hotel. Diesmal haben wir gleich einen Guide mit Gepäckkarre engagiert, der uns zum Busbahnhof geleitet. Dort angekommen, dauert es noch ein Weilchen bis wir den richtigen Bus finden. Mit Sesam- und Erdnussgebäck gestärkt, kann die Fahrt losgehen und ich hoffe, dass ich unterwegs keine Darmprobleme bekomme. Der Bus hat nämlich wie erwartet keine Toilette. Wir machen jedoch auf halber Strecke eine Pause, die hauptsächlich die Damen für einen Toilettengang nutzen. Ich bin froh über die Unterbrechung, denn das Geschaukele ist mir ganz schön auf den Magen geschlagen. Allerdings geht es wohl nicht nur mir so, eine einheimische ältere Frau spuckt sogar versteckt hinter der Gardine am Fenster und ihrem Kopftuch in eine Plastiktüte.
In Agadir angekommen, machen wir eine längere Fahrt mit dem Petit Taxi, da unser Fahrer das Hotel nicht kennt und uns vor einer Nobelherberge absetzen will. Nach ein wenig Recherche bei seinen Kollegen findet er dann doch noch den Weg. Es ist mittlerweile später Nachmittag und so machen wir uns nach einem kurzen Päuschen auf dem Weg Richtung Strand und auf die Suche nach einer Essgelegenheit. Unterwegs stellen wir fest, das Agadir, das 1960 von einem verheerenden Erdbeben total zerstört wurde und deshalb ganz neu aufgebaut werden musste, zwar moderner und sauberer ist, als die anderen Städte, die wir besucht haben, aber eben auch nicht typisch marokkanisch. Genauso gut könnten wir uns auch in Spanien oder Italien befinden. Nur die Tajinen in den Souvenirläden deuten darauf hin, wo wir uns befinden. Aber vielleicht haben wir wegen der knappen Zeit einfach zu wenig von der Stadt gesehen. Nach einem Spaziergang am Strand inklusive Sonnenuntergang über dem neuen Hafen essen wir in einem kleinen Imbiss in der Nähe des Hotels. Unterwegs ergibt sich noch eine lustige Situation als uns jemand anspricht und uns günstigen Goldschmuck verkaufen will. Heino sagt ihm, wir seien jetzt drei Wochen durchs Land gereist, der Urlaub sei vorbei und wir hätten kein Geld mehr. Sofort wechselt der Mann die Taktik und meint, er könne uns auch ein gutes Restaurant empfehlen, wo wir günstig essen können! Wenn das nicht schlagfertig ist! 
Da nachts um vier unser Taxifahrer vor dem Hotel stehen wird, gehen wir zeitig ins Bett, um wenigstens noch ein paar Stunden zu schlafen.

Der Fahrer ist dann auch pünktlich vor Ort und fährt uns unter Missachtung sämtlicher Geschwindigkeitskontrollen zum Flughafen. Nach einer Zwischenlandung in Casablanca geht es weiter nach Frankfurt, wo wir pünktlich landen. Dort müssen wir allerdings noch zwei Stunden auf unseren Zug nach Siegburg warten, wo uns die liebe Heike um 18 Uhr abholt.
Drei wunderschöne Wochen mit zum Teil unbeschreiblichen Eindrücken liegen hinter uns. Es ist einerseits schön wieder zu Hause zu sein, aber auch irgendwie befremdlich innerhalb kürzester Zeit von einer Welt in die andere zu wechseln, von 1001 Nacht in einen kalten regnerischen *** im deutschen Wohlfahrtsstaat! Nun bleiben uns die Erinnerungen, die gleichzeitig Dankbarkeit, Bescheidenheit und Wehmut auslösen.

11. bis 13.05.2010 Essaouira

Geschrieben am 21.06.2010 um 09:57
Eigentlich schade, dass wir dieses schöne friedliche Fleckchen Erde schon wieder verlassen müssen! Aber nach Essaouira zu fahren, ist wahrscheinlich auch kein schlechter Tausch. Mal sehen!

Essaouira inklusive unseres Hotels ist super! Nur werde ich den Eindruck nicht los, dass wir hier die meiste Zeit auf irgendwelchen Toiletten verbringen. Schon auf der Fahrt hierhin hatte ich ziemliche Probleme, so dass wir zum Schluss alle paar Kilometer anhalten mussten. Deshalb hatte ich auch etwas Sorge, dass ich es gar nicht vom Parkplatz bis zum Hotel schaffe. Den Parkplatz finden wir auch auf Anhieb, danach gestaltet sich alles ein bisschen chaotisch. Erstmal ist niemand von der Verleihfirma da, um den Wagen in Empfang zu nehmen, dann fängt Heino eine Diskussion mit dem Parkplatzwärter an, weil er nur für eine halbe Stunde zahlen will, da der Wagen ja abgeholt werden soll. Währenddessen wimmeln wir erst mal die Männer mit den Gepäckkarren ab und erfreuen eine Bettlerin mit einer Flasche Wasser. Auf dem Weg zum Hotel, das wir vermutlich auch alleine gefunden hätten, erbietet sich jemand, uns hinzuführen, "weil es sehr weit weg" ist! Das löst, beim Hotel angekommen, eine erneute Diskussion aus, denn der "Führer" will dafür 20 Dh haben, Heino, der heute scheinbar leicht genervt ist, ist aber nur bereit 10 Dh dafür zu zahlen, da wir für 20 auch einen Gepäck-Chauffeur bekommen hätten. Dummerweise haben wir aber auch kein passendes Kleingeld. Als uns dann jemand vom Hotel aushilft, entspannt sich die Situation und der Guide trollt sich mit 10 Dh von dannen. Unser Zimmer entschädigt uns dann jedoch bei weitem für die Aufregung. Überhaupt das ganze Hotel ist spitze. Es gehört dem Künstler Didier Spindler und ist dementsprechend sehr liebevoll mit tollen Bilder und Einrichtungsgegenständen ausgestattet. Außerdem gibt es eine Dachterrasse, von der man einen super Blick auf das tosende Meer, die Stadtbefestigung und viele andere Dachterrassen hat. Es erinnert tatsächlich vieles an Saint Malo hier!
Nach diversen Toilettengängen starten wir unseren Rundgang durchs Städtchen, der für heute jedoch relativ kurz ausfällt. Als erstes gehen wir auf die alte Stadtmauer, von wo aus man eine schöne Aussicht auf das Meer hat. Die Wellen schlagen tosend gegen die Felsen, in den Arkaden unterhalb wird Kunsthandwerk angeboten und ein Stück weiter wird Musik gemacht. Toll! Leider macht mein Darm bald schon wieder schlapp, also zurück zum Hotel. Beim zweiten Anlauf schlägt uns jemand vom Hotel ein Restaurant vor. Wir werden sogar hingeführt und es ist echt toll. Wir sitzen auf einer Terrasse in der 2. Etage und blicken direkt auf das Meer. Ich bin mutig und bestelle mir Spaghetti Bolognese. Heino nimmt Spaghetti Frutti di Mare und büßt es die ganze Nacht. Ich würde sagen, er ist so gefühlte 50 mal zur Toilette gelaufen!
Am nächsten Morgen haben wir dann auch reichlich Startschwierigkeiten und beschließen deshalb, nicht lange durch die Stadt zu laufen, sondern lieber an den Strand zu gehen. Auf dem Weg dorthin holen wir uns jedoch in der Apotheke erst mal stärkere Tabletten. So kann das ja nicht weitergehen! Der Apotheker meint, wenn diese Tabletten nun auch nicht helfen, müssten wir ein Antibiotikum nehmen.
Am Strand lässt es sich gut aushalten, da immer Wind weht. Heino geht es allerdings immer noch nicht gut, so dass wir nach zwei Stunden wieder gehen. Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die Galerie von Damgaard an. Sehr schöne und sehr bunte Werke!
In unserem Zimmer stelle ich fest, dass ich mir einen Sonnenbrand eingefangen habe. Heino legt sich ins Bett und ich gehe zum Lesen und anschließendem Schlafen auf die Dachterrasse, wo glücklicherweise die große Matratze frei ist.
Abends machen wir noch einen Bummel durch die Gassen, wo es trotz des Trubels viel entspannter zugeht als in den anderen Städten. Hier kann man auch mal in Ruhe die Auslagen anschauen ohne gleich bombardiert zu werden. Da es meinem Bauch gutgeht, esse ich eine Shawarma mit Pommes beim Imbiss gleich neben Jack's Kiosk.
Eigentlich sind wir hier mal so richtig faul. Wir schlendern durch die Stadt, schauen uns den Trubel im Hafen an, geben hier und da unser Geld aus, faulenzen auf der Terrasse und ergeben uns unserem Darm-Schicksal. Abends essen wir Fisch im Hafen, wo mich anschließend, während ich aufs Meer schauend auf Heino warte, ein junger Marokkaner anspricht. Anfangs befürchte ich, dass er mir Gras verkaufen will, aber wir reden über deutsche Städte und er erzählt mir einiges über die Musik in Marokko und Essaouira im Speziellen. Ich frage ihn, ob er Rhani Krija kennt, was er verneint. Das wundert mich, ist Rhani doch ein Sohn dieser Stadt und reist mit Sting durch die ganze Welt. Später als wir im Hotel den Abend vor dem Kamin ausklingen lassen und ich einen Bildband über das Musikfestival in Essaouira durchblättere, erfahre ich auch, warum er Rhani nicht kannte. Dieser heißt nämlich eigentlich Abdelrhani Krija und ist in seiner Heimat scheinbar nur unter diesem Namen bekannt.

10.05.2010 Tafraoute

Geschrieben am 21.06.2010 um 09:34
Gleich nach dem Frühstück brechen wir mit Khalid zu einer Wanderung durch das Tal der Ammeln auf. Er erzählt uns unheimlich viel über die Menschen hier, deren Lebensweise und Sitten und Gebräuche, was sehr spannend ist. An einem schattigen Plätzchen serviert uns khalid unser Mittagessen, bestehend aus Hähnchenbeinen, Kartoffeln, Eiern, Möhren und Oliven. Auf dem Rückweg treffen wir einige Kinder, die gerade von der Schule kommen und uns freundlich grüßen, manche sogar mit Handschlag. Da können wir zu Hause nur von träumen. Nach unserer Rückkehr brauchen wir erst mal eine Cola und dann ein Mittagsschläfchen. War doch ganz schön heiß unterwegs, obwohl große Teile des Weges im Schatten lagen. Am Nachmittag fahren wir auf Khalids Rat hin in die Schlucht von Ait Mansou. Schon die Fahrt dorthin, vorbei an bizarren roten Granitfelsen und dann über Passstraßen, wo wieder wie gestern Echsen und Streifenhörnchen über die Steine huschen, ist total faszinierend. In den Schluchten blüht der Oleander meterhoch Strauch an Strauch und wir päppeln zu Hause Jahr für Jahr eine kleine Pflanze hoch. Die Schlucht selber ist gigantisch und wir spazieren viel zu lange dort herum. Denn als wir auf dem Rückweg die "Pierres Bleues" endlich gefunden haben, ist die Sonne schon fast untergegangen und sie liegen fast alle im Schatten. Da sie wieder neu angemalt worden sind, sehen sie trotzdem klasse aus. Um 21 Uhr sind wir dann endlich wieder am Haus und bekommen tatsächlich noch eine tolle Tajine serviert. Khalid hatte schon damit gerechnet, dass wir erst spät zurückkehren werden.

09.05.2010 Tafraoute

Geschrieben am 21.06.2010 um 09:19
Heute fahren wir über wunderschöne, aber für mich mal wieder furchteinflößende Passstraßen nach Tafraoute. Auf einer Passhöhe gibt es ein Café, wo wir anhalten und uns ein wenig stärken. Zur Feier des (Mutter-)Tages bekomme ich sogar eine Blume auf den Tisch gestellt. Schön war auch, dass Sarah an mich gedacht und mir zum Muttertag gratuliert hat. Gegen halb drei kommen wir bei unserer Unterkunft, dem ***son traditionelle an, das wirklich ganz toll unterhalb einer roten Felswand liegt. Wir sind spontan überwältigt und stärken uns auf der Dachterrasse des Hauses gemeinsam mit einem holländischen Pärchen bei einem Glas Cola. Die beiden kommen gerade von der Wanderung mit Khalid, dem Sohn des Hauses, zurück und erzählen ganz begeistert von ihren Eindrücken. Morgen werden wir diese Wanderung machen, aber heute lassen wir uns erst von Khalids blindem Vater durch das ***son traditionelle führen. Sein Deutsch ist super und so können wir seine Erklärungen gut verstehen. Danach machen wir noch einen kleinen Spaziergang bergaufwärts, von wo man eine tolle Aussicht aufs Dorf hat. Und dann gibt es auch schon ein leckeres Abendessen mit Blick auf das Tal der Ammeln. Wunderbare Ruhe, tolles Natur und freundliche Menschen!

08.05.2010 Taroudannt

Geschrieben am 5.06.2010 um 11:38

Nach dem Frühstück starten wir unsere lange Fahrt nach Taroudannt. 350 Kilometer haben wir heute vor uns. Nach nicht allzu langer Zeit kommen wir ins Draa-Tal. Der Fluss führt sogar vergleichsweise recht viel Wasser. Dann biegen wir ab Richtung Tazhenakt und fahren zuerst durch hügelige Landschaften, dann kurz vor Taroudannt durch eine fruchtbare Ebene vorbei an vielen Plantagen.

Unser Hotel ist nicht wirklich der Knaller, aber für eine Nacht ist es okay. Es fällt jedoch gleich auf, wenn keiner kommt und das Gepäck trägt. Nach ein wenig relaxen am Pool machen wir uns auf zur Erkundungstour. Zuerst schlagen wir die falsche Richtung ein, aber schließlich landen wir doch noch im Zentrum. Zufällig finden wir sogar die Galerie du Sud, die einem Künstler gehört, der seine Kunstwerke mit Rahmen aus alten Fahrradreifen einfasst. Leider macht mein Darm wieder schlapp und ich frage in einer Bar nach einer Toilette. Die weibliche Bedienung sagt, es gäbe keine, auch nicht in der Nähe. Ihr männlicher Kollege sieht aber scheinbar die Not in meinen Augen und schimpft mit ihr, sie solle mich nach oben auf die Toilette führen, was sie dann auch tut. Es ist allerdings ihre private Toilette und aus den umliegenden Räumen schauen mir erstaunte Frauen und Kinder entgegen. Anschließend setzen wir unsere Tour fort durch den "Touristen-Souk", aber auch durch den Marché Municipal, wo es vor Einheimischen nur so wimmelt. Es herrscht ziemliches Gedränge und ich merke, dass sich jemand von hinten an mich drängt. Als ich über die Schulter schaue, sehe ich, dass es ein Mann ist. Zuerst denke ich, dass es einfach nur am Gedränge liegt, aber er bleibt an mir dran. Deshalb bleibe ich stehen, um ihn vorbei zu lassen, doch er grinst nur und geht in eine andere Richtung weiter. Ganz plötzlich verebbt auch der Menschenstrom. Wir befinden uns im Berber-Souk, wo die Einheimischen scheinbar nicht hingehen. Vor einem Laden mit Arganöl bleiben wir stehen und werden auch gleich angesprochen. Als der Verkäufer merkt, dass wir Deutsche sind, bringt er sogar ein "Grüß Gott" zustande. Es stellt sich heraus, dass er ganz gut Deutsch spricht und er erklärt uns ein wenig über Arganöl und bietet uns an, uns eine Argan-Fabrik zu zeigen. Wir willigen ein und folgen ihm zu seinem Kollegen, der uns die verschiedenen Arbeitsschritte erklärt. Natürlich werden wir auch in den Verkaufsraum geführt und es gibt tatsächlich tolle Sachen, aber wir können schließlich nicht alles kaufen. Der Verkäufer ist jedenfalls sehr lustig und wir kaufen noch das "Gewürz für Frauen, die nicht kochen können", Arganöl für die Küche und welches mit Eukalytus zum Massieren. Der Verkäufer aus dem Souk holt uns dann wieder ab und erklärt uns den Weg zur Place Assarag, wo heute ein besonderes religiöses Fest mit Musik veranstaltet wird, das nur einmal im Jahr stattfindet. Wir schauen dort ein wenig zu und entdecken gleich am Platz ein Fotogeschäft. Mittels der Überreste meiner Französischkenntnisse erkläre ich dem Verkäufer mein Problem. Er sagt, ich müsse den Apparat da lassen und könne ihn am nächsten Morgen wieder abholen. Mir ist zwar nicht ganz wohl dabei, denn einen Auftragszettel oder ähnliches gibt es natürlich nicht, aber ohne Vertrauen kommt man wohl nicht weit.

Dann holen wir uns an einem Straßengrillstand ein mit undefinierbarem Fleisch gefülltes Fladenbrot (2 Stück für 6 Dh), 2 Colas für 10 Dh und zum Nachtisch beim Bäcker 2 Stücke Nusskuchen für 7,5 Dh. Das war mit Abstand das günstigste Abendessen des Urlaubs!

07.05.2010 Merzouga - N'Kob

Geschrieben am 5.06.2010 um 11:21

In der Nacht ist heftiger Wind aufgekommen, der unser Zelt ziemlich hat flattern lassen, was Sand in jeder Ritze zur Folge hat. Beim Sonnenaufgang gucken weht er immer noch ordentlich um unsere Körper, allerdings ergeben die Sandverwehungen auch tolle Anblicke.

Gegen 9 Uhr sind wir wieder im Hotel, wo wir uns nach diesem wunderschönen Erlebnis noch mit einem Frühstück stärken können. Dann geht es mit unserem versandeten Auto los in Richtung N'Kob, das wir nach einer Fahrt durch Wüsten- und Wild West-Landschaften inklusive Verfahren um 15.30 Uhr ziemlich "ungepflegt" erreichen. Nun sitzen wir wieder am Pool eines tollen Hotels und harren des Essens, das da kommt. Erholung muss auch sein!

Um das Warten etwas zu verkürzen, machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die ****eraie, was sehr schön ist. Leider stellt sich heraus, dass mein Fotoapparat ein Problem hat. Trotz reinigen der Kontakte kommt immer wieder eine Fehlermeldung. Außerdem ist die Belichtungszeit z.T. vollkommen falsch. Das Abendessen ist allerdings prima. Wir sitzen in einem kleinen Innenhof, umgeben von einer Gruppe Wienern und ein paar Franzosen mit dritten Zähnen, die uns aber nicht daran hindern, ein vorzügliches Essen zu genießen. 

06.05.2010 Rissani + Merzouga

Geschrieben am 5.06.2010 um 10:30

Heute haben wir nur eine kurze Strecke vor uns. Auf dem Weg nach Merzouga halten wir deshalb noch in Rissani, wo heute Markt ist (Niedecken lässt grüßen!) Am Parkplatz bietet sich gegen Bonbons und ein paar Dirham gleich jemand an, der unser Auto bewacht. Kurze Zeit später befinden wir uns im Schlepptau eines jungen Mannes, der uns für 20 Dh über den Markt führt. Das hat den Vorteil, dass wir nicht dauernd angesprochen werden, aber den "Nachteil", dass wir recht bald in einer "Pharmacie" und einem Kunsthandwerkladen stehen. In ersterer kaufen wir eine marokkanische Teemischung, ansonsten sind wir ja schon bestens ausgestattet. Im zweiten Laden gibt es tollen Schmuck, von dem wir einige Teile auswählen, in dem Glauben, dass er nicht echt ist und somit günstig. Bis auf ein Teil ist aber angeblich alles echt und soll deshalb 600 Dh kosten. Heino hat den Deal für 350 Dh schon fast abgeschlossen, aber ich will nicht soviel Geld für ein paar Ohringe und drei Fatima-Hände ausgeben. Schließlich haben wir zur Enttäuschung des Verkäufers und des Guides, der ja Provision bekommt, nur ein Paar unechte Ohrringe für 50 Dh gekauft. Nach der Führung will er trotzdem noch nicht mal seine 20 Dh haben. Wir wollen noch mal eine Runde auf eigene Faust über den Markt gehen, aber ehe wir uns versehen, haben wir schon wieder potentielle Führer am Hals, die irgendwie nicht zu verstehen scheinen, dass wir schon eine Führung hatten. Nachdem wir dann endlich allein sind , kaufen wir für Heino noch einen Schal und für Pia, weil wir laut Aussage des Verkäufers unbedingt noch ein Andenken an Rissani brauchen, eine auf 80 Dh heruntergehandelte Hand der Fatima. Anschließend fahren wir nach Merzouga ins Hotel, um uns zu erkundigen, wann unsere Dromedare starten. Da es erst um 17 Uhr losgehen soll, haben wir also noch genug Zeit, um nach Taouz ans "Ende der Welt" zu fahren, was sich aber nicht wirklich lohnt. Schön ist, dass man auf dem ersten Teil des Weges dorthin einen prima Blick auf die Dünen von Erg Chebbi hat.

Nach ein paar Runden im Hotel-Pool und einem Nickerchen begeben wir uns um 17 Uhr mit einer Gruppe Holländer und einer französischen Familie auf die Rücken der Dromedare. Kurz nach dem Start schaukelt die Cola, die ich kurz vor dem Start getrunken habe, noch in meinem Magen hin und her und ich habe Angst, dass mir schlecht wird, aber es geht dann doch gut und ich kann die fantastische Landschaft ungestört genießen. Unterwegs zeigen unsere Führer uns Sandechsen, die sie ausgebuddelt haben und meinen, dass wäre unser Abendessen! Grins! Nach ca. 2 Stunden kommen wir in unserem Lager an, das komfortabler ist, als wir erwartet haben. Es gibt tatsächlich ein WC mit Wasserspülung, die aber schon bald überfordert ist. Auf dem Dach des Toilettenhäuschens ist sogar ein Sonnenkollektor angebracht, aber dass sich keine Birne in der Fassung der Toilettenbeleuchtung befindet, ist aufgrund der ausfallenden Wasserspülung schon fast ein Glück!

Nachdem wir uns alle ein Schlafgemach ausgesucht haben, streunen wir ein wenig durch die Umgebung, um die Aussichten zu bewundern. Dann gibt es Minztee und Nüsschen, wobei sich schon abzeichnet, dass es ein lustiger Abend wird mit unseren Holländern. Nach dem Abendessen (Suppe, Hühnchen-Tajine und Obst) sitzen wir alle am Lagerfeuer, wo wir viel Spaß mit Musik (Ich hab 'ne Tante in Marokko... mit Trommelbegleitung), Rätseln und holländisch sprechenden Berbern haben.

05.05.2010 Erfoud

Geschrieben am 5.06.2010 um 09:49

Wir starten heute wieder um 9 Uhr, da wir über 200 km vor der Nase haben und zusätzlich noch in die Todra-Schlucht wollen. Nach ein paar Metern merken wir jedoch, dass unser Wagen merkwürdige Geräusche von sich gibt. Irgendetwas rappelt und da wir nicht herausfinden können, was es ist, halten wir bei einer Tankstelle und lassen den Wagen von ein paar Jungs, die dort scheinbar (in weißen Hemden und gut gestylt) jobben, in der Grube durchchecken. Sie finden den Fehler zwar auch nicht wirklich, meinen aber, es wäre nicht so schlimm, wir könnten ruhig weiterfahren. Es läge halt an den Straßen in Marokko. Na denn!

In der Todra-Schlucht machen wir einen kleinen Spaziergang, stärken uns mit Getränken und düsen dann weiter durch Savannenlandschaften Richtung Erfoud.

Nun sitzen wir am Pool der Kasbah Tizimi, die wirklich toll ist, und schreiben Briefe und Tagebuch. So langsam macht sich aber auch etwas wie Hunger breit und darum werden wir gleich aufbrechen, um die Spezialität der Stadt zu testen: Kalia!

Das auf der Hauptstraße gelegene Café du Sud ist leicht zu finden. Der Wirt ist nett und die Kalia (für 30 Dh) wirklich super! Kalia ist gehacktes Hammelfleisch mit Tomate, Paprika, Ei, Zwiebeln und 44 Gewürzen gegart in einer Tajine. Während wir dort sitzen, kommen immer wieder Bettler vorbei. Ansonsten ist es auf der Straße eher ruhig. Erst als die Sonne grandios untergeht, wird es ein wenig belebter. Wir beschließen noch ein wenig durch den Ort zu laufen und schon als wir um die nächste Ecke biegen, begegnet uns das pralle Leben: Cafés, Souks, Markt und jede Menge Leute. Gleich spricht uns jemand an, der uns zu einem Tee einladen will, aber wir können ihm entkommen. Wie sowas ausgeht, wissen wir ja schon. Wir streifen noch ein wenig durch die Straßen und erstehen eine Seifendose für Heino (2 Dh) und eine Sonnenbrille für mich, bei zwei Typen, die noch weniger Französisch sprechen als ich. Als ich nach dem Preis frage, überlegen sie erst mal lange, bevor sie sich auf 20 Dh einigen. Dabei soll es laut Aufkleber angeblich eine Oakley-Brille sein. Ich traue meinen Ohren kaum, also bezahlen wir schnell und bevor sie es sich noch anders überlegen können, sind wir draußen. Beim Bäcker gibt es noch einen kleinen Nachtisch und im Hotel einen Drink am schön beleuchteten Hotelpool. Da wir im Hotel deutsches Fernsehprogramm empfangen, schauen wir uns im ZDF das Auslandsjournal an, bei dem ich dann allerdings einschlafe.

04.05.2010 Dadestal

Geschrieben am 5.06.2010 um 09:27

Heute sind wir im Hotel Atlas Berbère gelandet, wo wir nett empfangen werden. Das Haus ist schön, aber die Betten hart. Auf der Terrasse am Bach bekommen wir einen Thé maroccaine serviert, um uns für die anschließende Wanderung zu stärken. Zuerst müssen wir mit dem Wagen wieder ein Stück talabwärts fahren. An einer Brücke parken wir und starten gemeinsam mit unserem Guide Ismael unsere Wanderung vorbei an atemberaubenden Felsformationen und durch eine enge Schlucht, die zum Teil noch mit Wasser gefüllt ist, so dass wir diese Stellen umklettern müssen. Wenn ich mal wieder, wie so oft, Angst bekomme, stellt Ismael mir bereitwillig seinen Fuß als Tritt zur Verfügung. Nachdem er erfahren hat, dass Heino gerne klettert, animiert er ihn, eine leicht geneigte Felswand mit ihm hochzuklettern (ohne Sicherung versteht sich). Ein bisschen mulmig ist mir schon, aber es ist natürlich alles gut gegangen und wie ich schon leise vermutet hatte, ist Ismael, nachdem Heino unten war, die letzten ca. 10 Meter vorwärts ohne Festhalten die Wand heruntergelaufen! Tolle Vorstellung! Obwohl die Verständigung stellenweise etwas schwierig ist, führen wir nette Gespräche und erfahren einiges über Land und Leute.
Abends treffen wir überraschenderweise unsere Holländer wieder, mit denen wir schon das Zugabteil von Rabat nach Meknès geteilt haben. Wir essen zusammmen zu Abend und erfahren von ihren Erlebnissen in der Wüste.
Nach dem Essen kommen ein paar Jungs, darunter auch Ismael, und veranstalten eine kleine "Trommel-Session", in die wir schließlich mit den restlichen verbleibenden Gästen einbezogen werden. Toller Abend!

03.05.2010 Ait Benhaddou

Geschrieben am 30.05.2010 um 10:54

Morgens um 8.30 Uhr bekommen wir unseren Mietwagen, einen kleinen recht neuen Hyundai. Nachdem die Formalitäten abgeschlossen sind, bahnen wir uns den Weg aus der Stadt  Richtung Atlas, was auch ganz gut klappt. Leider ist das Wetter nicht so gut und in den Bergen ist stellenweise solcher Nebel, dass man gerade noch seinen Vordermann sehen kann. Nach einer Weile und steigender Höhe wird es jedoch besser und der Himmel reißt wieder auf. An der Straße gibt es jede Menge Stände, Läden und "freilaufende" Verkäufer, die Fossilien, Steine und Mineralien anbieten. Man kann fast nirgendwo anhalten, ohne dass nicht plötzlich jemand angelaufen kommt und was verkaufen möchte, was ich ziemlich nervig finde. Eigentlich dachte ich, wenn wir die Stadt verlassen, wird es etwas entspannter! Dafür werden wir am Nachmittag für die Strapazen der Fahrt entschädigt. Die Kasbah in Ait Benhaddou ist ganz toll und bietet einen super Blick auf ihre brühmte Schwester auf der anderen Seite des Flusses. Nachdem wir diese besichtigt haben, drehen wir ein paar Runden im Pool und relaxen dann lesenderweise. Die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel, aber da ein heftiger Wind weht, neigt man glatt schon zum Frieren!
Abends gibt es ein köstliches Menue im stimmungsvollen Restaurant, dass nur noch von dem grandiosen Sternenhimmel getoppt wird, der sich uns anschließend präsentiert!

02.05.2010 Marrakesch

Geschrieben am 30.05.2010 um 10:41

Heute verbringen wir den ersten Teil des Tages mit Besichtigungen in der Medina und diversen Einkäufen (Schuhe, Schals, "Türbommel", Tischdecken und Postkarten). Vor dem Bahia Palast gehen wir vermutlich einem Drogeristen auf den Leim. Er spricht uns an, weil er uns ganz umsonst und nur für ein Dankeschön durch die Mellah führen will. Das tut er auch, aber danach landen wir natürlich in seinem Laden, wo er uns diverse Kräuter, Essenzen und Wundermittelchen vorführt. Wir bekommen Tee und sogar eine Schulter-Nacken-Massage. Wir verlassen den Laden schließlich mit Einkäufen in Höhe von 350 Dh + Geschenken für uns und die Kinder: 2 kaufen, 1 gratis!

Nachmittags nachdem wir unsere Einkäufe im Hotel abgeladen haben, fahren wir mit dem Taxi in den Jardin Majorelle, der Yves Saint-Laurent gehört und wirklich wunderschön ist, was man von der Umgebung rund um den Park nicht gerade behaupten kann. Wir beschließen, unsere Tontöpfe zu Hause auch so bunt anzumalen. Außerdem erfahren wir,  dass die Uhr eine Stunde vorgestellt wurde. Abends dann wieder lecker essen auf der Jemaa el Fna!

01.05.2010 Marrakesch

Geschrieben am 30.05.2010 um 10:11

Nun sitzen wir im Zug nach Marrakesch, neben uns das ältere holländische Ehepaar, das wir schon aus dem Riad Bahia im Meknès kennen und mit dem wir uns den Bus über Moulay Idriss und Volubilis nach Fès geteilt haben. Heute Nacht hat es geregnet und so ist es nun Gott sei Dank etwas kühler.

Eine Stunde früher als erwartet, treffen wir in Marrakesch ein. Vor dem Bahnhof geht gleich die Abzockerei der Taxifahrer los, die einen nur zum Festpreis zum Hotel bringen wollen. Nach einer kleinen Diskussion finden wir dann doch einen, der bereit ist, sein Taxameter einzuschalten. Unser Hotel "Islane" liegt gleich um die Ecke vom Jemaa el Fna und hat eine schöne Dachterrasse, wo wir auch unser Frühstück einnehmen werden. Das Zimmer ist noch halbwegs okay, aber das Bad ist nicht wirklich ansprechend. Alles ist ziemlich vergammelt, Handtücher gibt es erst abends und die Mülleimer sind noch nicht geleert. Nach einem Tee auf der Terrasse stürzen wir uns ins Getümmel. Auf der Jemaa el Fna gibt es an jeder Ecke bzw. alle paar Meter etwas zu sehen und zu bestaunen. Der Nachteil ist, wenn man zu lange staunt, kommt gleich jemand und verlangt Geld oder will etwas verkaufen. Der Gesamteindruck ist jedenfalls überwältigend und schwer zu beschreiben. Nachdem wir eine Runde durch Schlangenbeschwörer, Travestie-Bauchtänzer, Geschichtenerzähler, Berberaffen und Henna-Künstlerinnen gedreht haben, gehen wir zu den Garküchen, wo um Gäste gebuhlt wird. Wir gehen wie empfohlen dorthin, wo viel los ist und bekommen Fleisch, Gemüse, Oliven, Tomaten, Dip und Brot aufgetischt. Nach dem Essen streifen wir noch kurz durch die Souks rund um den Platz und gehen dann auf eine Dachterrasse, um das brodelnde Treiben von oben zu beobachten. Mir fällt kein mir bekannter Ort ein, den man mit diesem hier vergleichen könnte. Wie aus einer anderen Welt! Auf dem Rückweg sind wir mutig und genehmigen uns ein frisches Eis, während wir das abendliche Geschehen vor der Koutoubia-Moschee auf uns wirken lassen.

30.04.2010 Fès

Geschrieben am 30.05.2010 um 05:54

Heute lassen wir uns mit dem "Petit Taxi" zum Bab El Jeloud fahren und versuchen dem beschriebenen Spaziergang aus dem Reiseführer zu folgen. Da heute Freitag ist, sind die Gassen angenehm leer. Ich sehe eine schöne Hose, die mir aber leider nicht passt. Die Verkäufer schmunzeln und  meinen zum Schluss, ich müsse mehr Sport machen! Sehr witzig!!!

So ganz schaffen wir es dann doch nicht, den Weg bis zum Schluss durchzugehen. Wir landen schließlich außerhalb der Souks, wo uns ein junger Mann anbietet, uns auf eine Terrasse mit Aussicht auf die Gerbereien zu führen. Da wir aus dem Reiseführer wissen, dass wir dies auf eigene Faust nicht schaffen werden, willigen wir ein. Der Guide bringt uns für 20 Dh zu einem Lederwarengeschäft, auf dessen Terrasse wir das Geschehen beobachten können. Anschließend probiere ich noch etliche Lederschuhe an, aber meinen Favoriten gibt es leider nicht in der entsprechenden Größe.

Zufällig landen wir beim Bummel durch die Gassen in einem Palais, das zu einem Restaurant umfunktioniert ist. Da es ziemlich heiß ist, nehmen wir jede Möglichkeit zur Abkühlung gerne wahr. Nachdem wir auf der Dachterrasse den Blick über die Stadt genossen haben, lassen wir uns unten von Mosaiken umgeben auf den dicken Kissen nieder, um einen Minztee zu trinken. Nach einer Weile merke ich, dass mein Kreislauf zu versagen beginnt. Mir bricht der Schweiß aus und mein Puls liegt nur noch bei 45 Schlägen pro Minute. Nach einer Flasche Cola geht es mir dann langsam wieder besser. Draußen scheint es auf jeden Fall bestimmt 40 Grad warm zu sein, denn im Palais, wo es uns angenehm kühl vorkommt, sind es immerhin noch schlappe 29 Grad. Zurück in den Gassen kaufen wir erstmal 2 Bananen, um den Magen wieder etwas zu füllen. Schließlich erstehen wir noch einen Schal für Pia und Armband und Ohrringe für mich. Heino ärgert  sich mal wieder, dass er es nicht geschafft, den Preis noch weiter herunter zu handeln. Das üben wir noch! Vor Verlassen der Souks genehmigen wir uns bei einem Imbiss noch ein leckeres mit Fleisch gefülltes Fladenbrot, was meinem Bauch leider wieder nicht bekommt. Ich schmeiße noch eine Tablette ein und schaffe den Weg zum Hotel ohne weitere Dringlichkeiten. Kurz vor dem Hotel trinken wir in einem Café noch einen Tee und treffen dort auf eine holländische Familie mit zwei ca. acht- und elfjährigen Töchtern. Wir fragen uns, wie wohl unsere Töchter eine Reise wie diese empfinden würden. Wären sie angewidert von dem Schmutz und der Armut oder würden sie verstehen und schätzen lernen wie priviligiert sie leben. Immer wieder habe ich Wolfgangs Liedzeile im Kopf: "... e hatt Land hann uns Prinzessinne jesinn!"

Nach einer späten Siesta im Hotel drehen wir am Abend noch eine kleine Runde und essen ein Häppchen. Geschmeckt hat es leider nicht so gut (Reis in gechlortem Wasser gegart: igitt!), umso unerfreulicher ist die Vorstellung mich scheinbar weiterhin mit Medikamenten dopen zu müssen, um das hiesige Essen zu mir nehmen zu können. Aber entgehen lassen will ich es mir auch nicht! Dafür ist es (meistens) zu lecker.

29.04.2010 Moulay Idriss - Volubilis - Fès

Geschrieben am 30.05.2010 um 05:00

Es gibt ein tolles Frühstück, dass ich mir trotz meiner Toilettenrennerei nicht nehmen lasse. Nachher schlucke ich eine Immodium akut und hoffe auf Besserung. Um 9 Uhr werden wir im Hotel abgeholt und über Moulay Idriss und Volubilis nach Fès gebracht. In dem Städtchen Moulay Idriss, das auf zwei Hügeln erbaut wurde und eine der bedeutendsten Pilgerstätten des Landes darstellt, lassen wir uns von einem "Faux Guide" durch den Ort zu einer schönen Aussichtstelle führen und bekommen unterwegs noch einiges erklärt. Kurz vor der Weiterfahrt  noch ein Tee sowie Besuch der örtlichen Loch-Toilette!

In Volubilis erwartet uns eine gigantische Ausgrabungsstätte, die seit 1997 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt und eine Fläche von 40 ha umfasst. Es gibt tolle Bauten, Mosaiken und, auch hier wieder, Störche zu bewundern. Die Anfänge dieser Siedlung werden auf das 3. Jahrhundert v. Chr. datiert und bis heute ist noch nicht einmal die Hälfte des Areals freigelegt.

Nach der Besichtigung und einer anschließenden ca. 1,5 stündigen Fahrt werden wir in unserem Hotel in Fès abgesetzt. Unser Zimmer ist noch nicht bezugsfertig und ich bin so müde, dass ich auf dem Sofa im Foyer einschlafe. Nach einem anschließenden Nickerchen in unserem sehr geräumigen Zimmer machen wir uns auf den Weg zur ersten Erkundungstour. Wir geraten mal wieder an einen Führer, der zwar sehr nett ist und uns durch das jüdische Viertel bis in die Synagoge führt, wo wir sogar einen Blick auf die Tora werfen dürfen, aber zum Schluss 100 Dh haben möchte.

Abends verbringen wir eine Weile auf der Place Baghdadi. Oben kreisen die Schwalben und unten trifft sich die Stadt zum Plausch. Auf dem Rückweg fragt Heino einen Jungen nach dem Weg aus dem Souk. Dieser führt uns auch raus aus den Gassen, aber an einen Punkt von dem aus wir einen riesigen Umweg laufen müssen. Ziemlich k.o. essen wir noch eine Kleinigkeit bei einem Straßenimbiss, trinken im Park einen Tee und dann geht es zurück ins Hotel, wo es gerade ziemlich laut zugeht. Scheinbar vertreiben sich die jugendlichen Gäste die Zeit auf den Fluren.

 

28.04.2010 Meknès

Geschrieben am 30.05.2010 um 03:29

Unser Zug nach Meknès hat ca. 25 Minuten Verspätung, aber was soll's. Schlimmer ist, dass die Idee mit dem Salat und den Pflaumen wohl doch nicht so gut war und ich nicht wirklich Lust auf Zugtoiletten habe. Aber daran komme ich nicht vorbei! Unser Abteil teilen wir uns mit zwei holländischen Pärchen, die wir schon aus dem Hotel Balima kennen. Wie sich herausstellt, haben sie beim gleichen Veranstalter gebucht, sind aber nur 2 Wochen unterwegs. In Meknès und Fès werden wir auf jeden Fall im gleichen Hotel sein.

Am Bahnhof in Meknès nehmen wir ein Petit Taxi und fahren zur Place El Hedim, wo wir von einem Riad-Mitarbeiter abgeholt werden. Im Hotel angekommen, wird uns ein Tee serviert und wir können die tolle Atmosphäre auf uns wirken lassen. Das Haus stammt aus den 17. Jahrhundert und ist immer noch in Familienbesitz. Auch die Zimmer sind typisch marrokanisch. Sie liegen um einen kleinen Innenhof herum und haben, was etwas gewöhnungsbedürftig ist, kein Fenster nach draußen, sondern nur in diesen Hof.

Den Nachmittag verbringen wir mit einer Erkundungstour durch die Stadt, die wir mit einem Tee auf der Place El Hedim beenden. Gegen Abend füllt es sich hier immer  mehr und Musikanten und Schlangenbeschwörer unterhalten die Schaulustigen.

Für 19 Uhr haben wir uns im Hotel zum Essen angemeldet, das wirklich toll schmeckt, aber es ist so viel, dass mir nachher ein wenig schlecht ist und mein Bauch schon wieder rebelliert.  Nach der Einnahme von entsprechenden Medikamenten und einer kleinen Erholungsphase machen wir noch einen kleinen Spaziergang über den Platz, wo mittlerweile auf einer Bühne gesungen, musiziert und getanzt wird. Es herrscht eine tolle Stimmung, was mein Bauch leider nicht zu würdigen weiß!

27.04.2010 Rabat

Geschrieben am 30.05.2010 um 02:46

Nach dem Frühstück, diesmal ohne Oliven, machen wir uns auf den Weg zur Ausgrabungsstätte Chellah. Hier wimmelt es von Störchen und anderen Vögeln. Es ist sehr heiß, aber wunderbar erholsam. Nachdem wir unseren Rundgang beendet und zur Erfrischung unsere Melone verspeist haben, begeben wir uns auf den staubigen Weg nach Salé, das auf der anderen Seite des Flusses liegt, was sich aber nicht wirklich gelohnt hat. Es gibt zwar ein paar schöne Ecken, aber wahrscheinlich ist uns einfach zu heiß, um dieses touristenlose Städtchen zu genießen. So zieht es uns wieder hinab zum Strand, der ziemlich zugemüllt ist, aber was soll's, das Wasser ist super! Gen Nachmittag füllt sich der Strand immer mehr und nach einer Weile haben wir 5 Rücksäcke vor uns stehen, die ein paar ca. 10-jährige Jungs uns zur Beaufsichtigung überlassen haben. Schönes Gefühl, dass sie uns spontan vertrauen! Beim Verlassen des Strandes rutscht Heino auf den Felsbrocken der Mole ab und schlägt sich das Schienbein auf. Es blutet stark und immer wieder wird uns von allen Seiten Hilfe angeboten. Als die Blutung gestillt ist, laufen wir auf einer Straße durch Baustellengelände Richtung Brücke. Dort hält ein Wagen neben uns an und der Fahrer bietet sich an uns mitzunehmen. Er ist ein in Holland lebender Marrokaner, der gerade zu Besuch bei seiner Familie in Salé ist. Da er seit langer Zeit in Enschede lebt, hat er uns gleich als "Kartoffelfresser" erkannt. Er hört gar nicht auf zu reden, gibt Heino seine Handynummer, damit sie sich noch mal treffen können und bringt uns tatsächlich bis zum Hotel. Natürlich nicht, ohne uns vorher noch zigmal schenkelklopfend "Kartoffelschweine" und "Kartoffelfresser"zu nennen, was er sehr lustig findet, der Mohmmadi!

Abends essen wir in einem kleinen Restaurant in der Stadtmauer ganz mutig auch Salat. Nach dem Essen (Brochette + Tajine mit Lamm und Pflaumen) noch einer kleiner Bummel durch die Souks und morgen geht es weiter in die nächste Stadt.

26.04.2010 Rabat

Geschrieben am 17.05.2010 um 09:45
Nach dem Frühstück werden wir um kurz nach 9 von unserem "Flughafen-Fahrer" abgeholt und nach Rabat gebracht. Die Stadt wirkt schon beim Hereinfahren wesentlich sauberer als Casablanca. Auch unser Hotel hier, das Balima, das an der breiten palmengesäumten Avenue Mohammed V. liegt, stellt eine deutliche Verbesserung dar. Nach dem Einchecken gönnen wir uns ein kleines Ruhepäuschen und dann geht es los zur Stadterkundung. Die beim Hotel noch prächtige Avenue Mohammed verwandelt sich ab der Stadtmauer in eine quirlige, belebte und schmutzige Medina-Gasse, mit vielen verschiedenen Läden. Wir erstehen erst mal ein halbes Kilo Datteln, damit Heinos Verdauung in Gang kommt. Hilft aber nicht wirklich!
Am Ende der Straße geht es rechts ab zur alten Kasbah, die über dem Meer thront. Hier geht es wesentlich entspannter zu. Es sind nur ein paar Leute unterwegs. Die Häuser sind alle weiß getüncht und haben einen blauen Sockel. Da uns ziemlich heiß ist, laufen wir runter an den Strand und nehmen ein erfrischendes Bad im Meer. Nach einem kleinen Nickerchen habe ich schon den ersten leichten Sonnenbrand. Auf dem Rückweg machen wir einen kleinen Bummel durch den schönen schattigen andalusischen Garten am Rande der Kasbah, inklusive Nascherei von herrlichen Süßigkeiten, die ein Junge dort verkauft. Danach stürzen wir uns wieder ins Getümmel der Souks, von denen wir bisher ja nur eine Straße gesehen haben. Hier gönnen wir uns einen frisch gepressten O-Saft, ich finde einen Schlüsselanhänger für Sarah und für mich eine Bluse. Die Eindrücke, die der kurze Streifzug über den jüdischen Flohmarkt hinterlässt, kann ich hier gar nicht beschreiben. Es gibt Dinge, die muss man selber sehen. Alle Bilder, die man sich aufgrund von Beschreibungen machen würde, wären falsch.
Auf der Hotelterrasse trinken wir einen Tee, machen mal wieder ein Nickerchen und begeben uns dann frisch geduscht in ein typisch marokkanisches Restaurant gleich hinter dem Hotel (Le Petit Beur - Dar Tajine), wo wir eine tolle Tajine mit Zitronen-Hähnchen essen. Hier ist es richtig nett. Man bekommt Bier und die Kellner spielen nebenbei auch noch Instrumente und singen dazu. Nach so vielen tollen Erlebnissen fallen wir nach Bier bzw. Tee in der Hotelbar, wo scheinbar eine "Kontakt-Börse" stattfindet, todmüde ins Bett!

25.04.2010 Casablanca

Geschrieben am 17.05.2010 um 08:59
Nach dem Frühstück (Baguette, Oliven, Eier, Marmelade sowie Blätter- und Hefeteiggebäck!) brechen wir gegen 9:30 Uhr zur Stadterkundung auf. Als erstes begeben wir uns auf einen im Reiseführer (Lonely Planet, sehr zu empfehlen!) beschriebenen Stadtspaziergang, der uns an vielen schönen Bauwerken vorbeiführt. Erstes Highlight der Tour ist jedoch der Besuch des zentralen Marktes, den wir mit einer einstündigen Teepause zelebrieren und währenddessen das Geschehen in aller Ruhe betrachten können.
Danach geht es in die Medina, die uns als Afrika-Neulinge mit ihren Eindrücken fast erschlägt: enge Gassen voller Menschen, Kleidung, Schuhe, Obst, Gemüse, Gewürze, lebende und tote Tiere, Düfte und Gestank, Lärm, Dreck, Chaos, Armut, fröhlich spielende Kinder, bewegende Einblicke in einen für uns fremden Alltag. Lange hält man sowas am ersten Tag nicht aus! Wir verlassen die Medina Richtung Hafen und schlendern durch einen kleinen Park. Unverhofft landen wir vor Rick's Café, das dem Schauplatz aus dem Filmklassiker "Casablanca" nachempfunden ist. Sehr schön und edel, das totale Kontrastprogramm! Wir genießen Thé und Espresso und knabbern dazu Trockenfrüchte und gesalzene Erdnüsse, bevor wir uns durch heruntergekommen Straßen, in denen enthusiastisch Fußball gespielt wird, zur Moschée Hassan II. begeben. Leider können wir keine Führung mehr mitmachen, da es mittlerweile nach 14 Uhr ist. Schade! Aber auch von aussen ist dieses Bauwerk mit seinen 210 Metern Höhe sehr imposant. Nachdem wir die Eindrücke ausgiebig auf uns haben wirken lassen, steigen wir in ein Petit Taxi, das uns, wie wir nachher feststellen für viel zu viel Geld (30 Dh), zum Leuchtturm bringt. Hier gibt es zwei schöne Restaurants mit Meerblick, aber ansonsten ist ringsum alles total vermüllt und von slumähnlichen Wohnvierteln umgeben. Uns wird ein bisschen mulmig zumute und so laufen wir ein Stück weiter Richtung Süden, wo sich nahtlos ein nobles Wohnviertel anschließt. Dort gibt es einen, in Straßennähe jedoch ziemlich vermüllten, Sandstrand. Vorne am Wasser lässt es sich jedoch gut aushalten. Viele Familien und Pärchen verbringen hier den Sonntagnachmittag. Besonders fasziniert hat mich eine Frau, die einer Bekannten zum Verwechseln ähnlich sieht. Wir genießen Sonne, Wind und Wasser und lassen uns gegen 16:30 Uhr von einem Petit Taxi zum Hotel zurückfahren. Für die Strecke, die mindestens doppelt so lang ist, wie die erste, bezahlen wir laut Taxameter 21 Dh. Unser erster Fahrer hat uns mit seinem Festpreis also ganz schön übers Ohr gehauen. Beim nächsten Mal sind wir schlauer!
Nachdem wir im Hotel unsere Füße vom Sand befreit haben, laufen wir durch ein sich nahtlos anschließendes "schönes" Wohnviertel in die "Nouvelle Medina" Habous, wo es tolle Läden gibt und einen faszinierenden Platz mit Garküchen. Wir beschließen in einem Grillrestaurant zu essen, wo man uns erklärt, dass wir erst an einem der Stände Fleisch kaufen müssen. Ein Junge begleitet uns dorthin und wir erstehen für 50 Dh Lammkoteletts, Würstchen und Gulasch, die im Restaurant dann gegrillt und uns mit Brot, Paste, Oliven und gegrillten Tomaten serviert werden. Köstlich! Ein gelungener Tag geht zu Ende!

24.04.2010 Anreise nach Casablanca

Geschrieben am 17.05.2010 um 08:17
Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir morgens um halb 9 die Heimat. Wir fahren mit dem Bus nach Siegburg, wo wir noch eine Stunde Zeit haben, die wir mit Kaffee- bzw. Teetrinken in der Eisdiele im S-Carrée verbringen. Um 10:20 Uhr fahren wir mit 10-minütiger Verspätung mit dem ICE nach Frankfurt/Fernbahnhof, den wir nach 40 Minuten auch schon erreichen. Das geht fast schneller als mit dem Auto nach Köln. Wir haben noch reichlich Zeit, bevor um 15 Uhr unser Flieger Richtung Afrika startet. Der Flug verläuft ohne besondere Vorkommnisse und am Flughafen werden wir wie verabredet von einem Fahrer abgeholt und zum Hotel Casablanca gebracht. Dieses liegt in einer recht belebten Straße in einem Wohnviertel, das mich stark an Paris erinnert.
Das Hotel ist eigentlich okay, auch wenn unser Zimmer zu der Sorte gehört, bei der man nicht sagen kann, ob es nun schön oder hässlich ist. Auf den ersten Blick macht es einen netten Eindruck: Marmor am Boden und im Bad, Stuck an der Decke und massive Holztüren am Wandschrank. Hinter den Fensterläden vermute ich die Aussicht in einen Hinterhof, doch weit gefehlt. Als wir sie öffnen, blicken wir auf ein dickes Rohr in einem Belüftungsschacht. Gegen 19:30 Uhr brechen wir auf zu einer Erkundungstour durchs Viertel. Ganz schön schmutzig und chaotisch, aber irgendwie hat es was! Gleich in der Nähe des Hotels gibt es viele kleine Läden, die marktstandähnlich Obst, Gemüse, Oliven, Fleisch, Käse, Brot etc. verkaufen.
Wir essen in einem kleinen Lokal eine Pizza, nehmen anschließend im Hotel als Absacker noch Kaffee und "Marokkanischen Whiskey" zu uns, bevor wir um 22 Uhr hundemüde ins Bett fallen.
Um ca. halb 5 nachts werde ich durch duschende und später lautstark abreisende Gäste geweckt. Ich wusste gar nicht, dass man derart hellhörige Häuser bauen kann! Gott sei Dank wird es aber irgendwann wieder ruhiger und ich kann noch mal einschlafen.

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