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Brasilienreise

Nachtrag

Geschrieben am 1.11.2009 um 07:07

Nun sind wir schon wieder über einen Monat aus Brasilien zurück und der Alltag hat uns wieder. Trotzdem denken wir noch gern an die schöne Zeit zurück und strapazieren teilweise unsere Angehörigen und Freunde mit immer neuen Erzählungen. Die Bilder sind fertig bearbeitet, auf die Fotoseite gestellt und die 100 MB in diesem Blog ganz gut ausgenutzt.

Vielen Dank an das Team von erlebe-brasilien für die Reise, die perfekt organisiert war. Vor allem die deutschsprachigen Guides, die sich viel Mühe gegeben haben, uns so viel wie nur möglich zu zeigen, waren prima.

Von Brasilien waren wir begeistert und sind uns bewusst, nur einen kleinen Teil dieses riesigen und wunderbaren Landes mit seinen lieben Menschen, den vielen Früchten, den beeindruckenden Naturwundern und der fasszinierenden Flora und Fauna gesehen zu haben. Wir werden wieder kommen.

Praia do Forte

Geschrieben am 25.09.2009 um 11:32

Nach einer kurzen Autofahrt von Salvador nach Praia do Forte sind wir gut hier angekommen. Es ist ein Feriendorf mit vielen Geschaeften und Gaststaetten und einem von Kokospalmen besaeumten Strand. Am Strand selbst gibt es leider nur wenige Stellen, an denen man bei sandigem Boden gut baden kann, der groessere Rest ist uebersaet mit steinigem Korallenriff, wo man allerdings gut schnorcheln kann. Da fuehlt man sich dann wie im Aquarium bei diesen vielen bunten Fischen und den angenehmen Wassertemperaturen, bei denen wir immer an unsere Badewanne zu Hause denken mussten.

Gestern haben wir eine Walbeobachtung-Tour mitgemacht. Die war schon einen Tag vorher geplant, aber das war die Wasserpumpe des Schiffsmotors defekt. Gestern ging es nun los. Wir waren noch gar nicht weit von der Kueste entfernt, da sahen wir ploetzlich eine Gruppe Delfine. Diese zeigten nicht nur ihre Schwanzflossen sondern zu unserer grossen Freude auch noch einige Spruenge, so dass sie in ganzer Groesse zu sehen waren. Kurz danach sahen wir tatsaechlich einen Wal, allerdings nur sehr kurz. Nach einiger Zeit zeigte er sich noch einmal kurz, stellte aber leider nicht seine Schanzflosse hoch, wie man das von Fotos kennt. Auf der weiteren Fahrt, auf der wir dann leider keine weiteren Tiere mehr trafen, wurden wir aufgrund des starken Wellenganges etwas seekrank. Aber nur etwas, es war uns nur flau im Magen.

Heute waren wir nach einem Strandtag mit baden und schnorcheln im TAMAR-Projekt, wo die hiesigen Schildkroeten betreute werden und auch einige sehr grosse Exemplare zu bestaunen sind. Ausserdem gibt es da ein Becken mit Haien, deren Fuetterung wir miterlebten. Dabei hatten wir die Gelegenheit, die Haie zu streicheln.

Heute abend scheint hier im Ort ein Fest zu sein, ueberall Menschengewimmel und Musik. Was gefeiert wird, wissen wir noch nicht, aber wir werden uns mit in das Gewuehl stuerzen. Vielleicht verabschieden uns ja die netten Leute hier von ihrem schoenen Land. Denn mit etwas Wehmut muessen wir nun Adeus oder Tschau zu Brasilien sagen. Aber es hat uns so gut gefallen, dass wir wieder kommen wollen.

Die restlichen Pantanalerlebnisse und Salvador

Geschrieben am 22.09.2009 um 12:57

Vorgestern nachmittag haben wir einen Ausflug zu Pferde unternommen und dass, obwohl wir noch nie geritten sind. Nach einer kurzen Einweisung, wie rechts, links, Gas und Bremse geht und aufgrund der sehr geduldigen Tiere funktionierte das Reiten ganz gut. Mir tat hinterher der Hintern weh. Unterwegs sahen wir wieder Kapuzineraeffchen und dabei einen, der gerade auf einer Wiese zum Wasserloch lief und trank. Besser kann man einen Affen nicht vor die Linse bekommen.  Danach ritten wir zu einem groesseren Wasserloch, an dem die Kaimane wieder zu Hunderten faul in der Sonne lagen. Von hinten anschleichend liessen sie uns bis auf ca. einen Meter heran, es gibt Beweisfotos. Doch dann waren sie zu scheu und suchten das Weite im Wasser. Die hatten Angst vor uns! Auf dem Rueckweg hatten wir noch eine seltenes Glueck, wir sahen kurz vor Sonnenuntergang einen Tapir, das groesste Tier Suedamerikas. Am Abend gab es Churrasco im Freien, doch bevor das losging, gab es ein Gewitter mit kraeftigem Platzregen. Danach Wetterleuchten an allen Stellen des Horizonts ueber Stunden mit gewaltigen Blitzen mittendrin. Ausserdem besuchte uns beim Abendessen noch ein hungriger Fuchs.

Gestern frueh ging unser Guide Adi noch mit uns zu einer Wanderung zum Sonnenaufgang. Bevor es losging, haben wir noch ein Glas frisch aus dem Euter "gezapfte" Milch getrunken. Da es noch bewoelkt war, sahen wir leider keine Sonnenaufgang, dafuer aber wieder viele Tiere, wie noch einmal Kapuzineraffen, Aras und Papageien.

Auf der Fahrt nach Cuiaba zum Flughafen verabschiedeten uns dann auch noch Tukane, die fuer unsere Fotosammlung extra schoene Flugrunden drehten.

Der Flug verlief reibungslos, allerdings gab es beim Zwischenstop in Brasilia leichte Irritationen, da die Ansagen wie meist auf den brasilianischen Flughaefen in portugiesich waren und unser **** wechselte. Letztendlich half uns der 1. Offizier unseres Fluges in bestem Englisch, der sich danach auch bei der Information waehrend des Fluges viel Muehe gab. Danach verliess er das Cockpit, suchte uns im Flieger und fragte uns, ob wir alles verstanden haetten und ob es uns gut ginge.

Nach unserer Ankunft in Salvador hatten wir heute eine halbtaegige Stadtrundfahrt und Spaziergang mit unserem wieder gut deutsch sprechendem Guide Rubens. Er erzaehlte und erklaerte uns viel ueber die drittgroesste Stadt Brasiliens, die drei Millionen Einwohner hat. Am Nachmittag gingen wir dann noch mal alleine in die Altstadt Peligrino, die sehr schoen ist und wo man auch gut einkaufen kann. Morgen werden wir noch eine erweiterte Stadtrundfahrt bekommen, die wir heute buchten, bevor es dann zur leider schon letzten Station unserer Reise nach Paria do Forte geht, von der Rubens schon schwaermte. Am Liebsten wuerde er mitkommen.

Leider konnten wir bisher noch keine Bilder hochladen, da die Computer in den Hotels, die wir bisher nutzten, keine Kartenleser hatten und ich kein USB-Kabel dabei habe.

Im Pantanal

Geschrieben am 19.09.2009 um 07:05

Als wir aus dem Flieger stiegen, haben wir den ersten Schlag bekommen, es war heiss, einfach nur heiss. Ein PKW brachte uns bei erlaubten 80 km/h mit 120 Sachen nach Pocorne, der war Schotterpiste auf der Tranpanterneira (10 km). Wir wurden von einem freundlichen wieder gut deutsch sprechenden Guide Adi empfangen, der uns erst mal zum Mittagessen fuehrte und uns dann eine Pause verordnete. Am Nachmittag fuhren wir zu einem nahegelegenen See, wo wir bis zum Abend zusammen mit 2 oesterreichischen Urlaubern eine Bootstour unternahmen. Was wir sahen, verschlug uns den Atem. Verschiedenste Arten von Reihern und Raubvoegeln, Eisvoegel. Auf dem Weg zum See sahen wir im Wald Bruellaffen. Unser Bootsfuehrer angelte auf dem See Piranhas, die er Geiern und Eisvoegeln zum Frass hinwarf. Die Voegel stuertzen sich in unserer inmittelbaren Naehe auf das Futter. Ein Eisvogel setzte sich wenige Meter vor uns auf einen Pfahl und liess sich in voller Groesse Schoenheit ablichten. Zwischendurch stoppten wir am Ufer, da wir die ersten Kaimane gesehen hatten. Einer lag mit seinem Kopf zirka eine Armlaenge von unserem Boot entfernt im Wasser.

An einer Stelle stiegen wir aus, machten eine kleine Wanderung durch den Wald und kletterten dann auf einen ungefaehr 25 m hohen hoelzernen Aussichtsturm, von wo wir hervorragend die Voegel beobachten konnten. Eine Echse sahen wir ebenfalls auf dem Hinweg zum Turm. Wieder im Boot angelten wir selbst mit Erfolg Piranhas. Aber Vorsicht war geboten, denn die Fische haben erschreckend scharfe Zaehne.

Am naechsten Tag unternahmen wir vormittags eine Wanderung. Wir sahen eine ca. 1,5 m lange Schlange, Kapuzineraeffchen, Blauaras und viele andere Voegel. Die Wanderung war sehr anstrengend fuer uns Mitteleuropaeer, da hier am Tag zur Zeit ca. 40 Grad Celsius im Schatten sind. Dei Klimaanlage ist dringend notwendig. Die Abkuehlung im Swimmingpool ist deshalb sehr sehr angenehm. Wasser ist unser staendiger Begleiter. Aber auch der Caipi schmeckt hier am Abend sehr gut.

Nachmittag unternehmen wir eine Fahrt mit dem LKW entlang der Transpantaneira bis zu einer recht sumpfigen Stelle. Auf dem Weg dorthin sahen wir Wasserschweine, Nasenbaeren wieder viele Voegel. An der Wasserstelle angekommen, trauten wir unseren Augen nicht. Das Wasser zwischen den Gruenpflanzen bewegte sich durch die vielen Fische staendig. Reglos standen Reiher daneben und beobachteten das Wasser. Und dann sahen wir sie: hunderte von Kaimanen aller Groessen, im Wasser und neben dem Wasser nahe der Strasse, wenige Meter von uns entfernt. Beeindruckend! Auf der Weiterfahrt sahen wir viele Nester von gruenen Papageien und natuerlich viele der Voegel selbst.

Heute frueh besuchten wir eine Huette einheimischer und lernten ihr armes, aber interessantes Leben kennen. Sie nahmen uns sehr gastfreundlich auf. Sie verdingen sich als Viehhirten oder auch als Verwalter nahe gelegender Faziendas, Gehoefte, die die Besitzer als Wochenendquartiere nutzen.

Heute nachmittag wollen wir noch einen Ausritt unternehmen und morgen frueh sehr zeitig eine Wanderung, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Danach ist unsere Zeit hier leider schon wieder vorbei und wir reisen weiter nach Salvador de Bahia.

 

Foz do Iguacu

Geschrieben am 16.09.2009 um 11:58

Spaet abends kamen wir hier an und genossen erst einmal das sehr schoene Hotel das Cataratas. Unser Guide Paulo spricht perfekt mit badischem Dialekt deutsch. Heute zeigte er uns alles, was an einem Tag moeglich war. Erst den Staudamm Itaipuh mit dem groessten Kraftwerk der Welt, gelegen im Fluss Rio Parana auf der Grenze zu Paraguay. Das Kraftwerk ist mit deutscher Technologie von Siemens und Voith errichtet wurden.

Danach ging es zu den Wasserfaellen, die wir schon vom Hotel aus gehoert hatten, da das Hotel nur wenige Meter von den Wasserfaellen entfernt gelegen ist. Wir begannen auf der argentinischen Seite, wo kilometerlange Stege gebaut wurden, um die einzelnen Wasserfaelle sehen zu koennen. Wir schauten sie uns von oben und auch von unten an.

Am Nachmittag fuhren wir dann wieder auf die brasilianische Seite zu unserem Hotel und schauten uns die Wasserfaelle von dieser Seite an. Nun waren wir nicht mehr ganz so nah an den Faellen, aber der Panoramablick war ums so besser. Speziell am groessten der Wasserfaelle, an der Teufelsschlucht kommt man auch sehr nah an das Wasser heran. So nah, dass wir komplett nass wurden, aber das machte uns schon nichts mehr aus. Der ganze Tag war sehr gewittrig und es regnete leider immer wieder.

Auch einige interessante Tiere sahen wir, so Fuechse, die hier grau sind, viele lustig aussehende Nasenbaeren, bunte Voegel und einen grossen schwarz-gelben Falter, der sich neben den Weg mit weit geoeffneten Fluegeln gehangen hatte, als wollte er uns sagen: "bewundert mich".

Das Hotel bemuehht sich nun, unsere Sachen zu trocknen, damit wir morgen wieder starten koennen. Der Flieger soll 06:00 Uhr abheben, hoffentlich spielt auch das Wetter mit.

Rio de Janeiro

Geschrieben am 15.09.2009 um 06:09

Der Flug nach Rio verlief reibungslos und das Wetter bei der Ankunft war so schoen, dass wir gleich an die Copacabana baden gingen. Die Wellen waren extrem hoch, so dass wir nur vorsichtig ins Wasser gingen.

Am naechsten Tag machten wir unseren Ausflug zum Cocovado bei wunderbarem Wetter. Die Aussicht ueber die Stadt war fantastisch. Auf dem Weg dahin hatten wir noch eine kleine Stadtrundfahrt und sagen unter anderem das Maracanastadion und das Sambadrom.

Fuer den Abend hatten wir eine Samboshow mit vorherigem Essen gebucht. Das Abendessen war wieder mal ein leckeres Churrasco. Die Show war sehr schoen, mit viel Folklore, bunten Kostuemen und heissen Rythmen.

Gestern erkundeten wir die Stadt auf eigende Faust mit Bus und Metro. Wir sehen die Kathedrale Nossa Senhora Candelaria, Theatro Municipal und fuhren zum Zuckerhut. Da das Wetter sich verschlechterte, machten wir eine Einkaufsbummel.

Heute nun werden wir an die Wasserfaelle Foz de Iguacu fliegen.

Gegensaetze in Sao Paulo

Geschrieben am 12.09.2009 um 01:33

Am Donnerstag morgen kauften wir wie schon am Tag zuvor jede Menge Obst und Gemuese fuer einen der Kindergaerten ein und brachten es dahin. Somit besuchten wir auch den 2. und 3. Kindergarten, den Arnold in Itapecerica da Serra organisiert. Ebenfalls besuchten wir bei der Gelegenheit das erste Mal sein Pfarrei San Pedro, die direkt auf einem Huegel liegt und neben einer Kirche auch einen der 3 Kindergaerten beherbergt. Dort lernten wir auch die Alesandra kennen, die gute Seele der Pfarrei und des Kindergartens. Unser Fahrer Wanda, der Hausmeister im groessten Kindergarten Santa Theresa ist brachte uns dann in die Innenstadt von Sao Paulo. Wir kamen nun aus einem der aermsten Teile der Stadt und je weiter wir uns dem Zentrum naeherten, um so hoeher wurden die Hauser, je breiter die Strassen, je schoener die Geschaefte und besser angezogen die Menschen.

Auf der Fahrt ins Zentrum machten  wir an einer Churrascaria halt. Dort kann man fuer einen festen Preis fast soviel Essen, wie man will. Vom Buffett nimmt man sich Reis, Nudeln, Gemuese, Salat und vieles mehr. Dann bekommt man vom Ober Fleisch am Spies angeboten und sucht sich ein Stueck aus, was er direkt am Tisch abschneidet. Aber Vorsicht, am Anfang sollte man nicht zuviel essen, denn die besten Stuecke kommen zum Schluss. Es war einfach nur lecker. Das Fleisch war vom Huhn, Schwein und Rind, vom Buffett haben wir bisher unbekannte Dinge wie ****enmark gegessen und der Saft, den es hier in Brasilien gibt, ist einfach unbeschreiblich gut.

Die Stadt ist einfach nur ueberwaeltigend. Noch nie haben wir soviele und so hohe Hochhaeuser gesehen wir hier. Die Skyline von Frankfurt ist klein und Berlin ein Dorf im Vergleich zu dieser Stadt. Das Leben gleicht einem Ameisenhaufen, die 3 bis 5-spurigen Strassen sind permanent verstopft. Es gibt nur Beton und Glas, alte ebenfalls recht hohe Kolonialbauten, die noch uebrig sind, nehmen sich aus wie Zwerge zwischen den Wolkenkratzern. Die Stadt ist einfach nicht zu beschreiben, sie ist nicht schoen, aber man muss sie selbst gesehen haben. Wir besuchten als Sehenswuedigkeiten die Kathedrale und die erste Kirche des Benediktinierordens, der Sao Paulo vor ca. 450 Jahren gruendete.

Auf der Rueckfahrt am Abend stoppten wir an einem Grossmarkt und kauften all das ein, was uns die Kindergaertnerinnen aufgetragen hatten. Wir beluden 4 riesige Einkaufswagen mit Obst, Gemuese, Wurst, Keksen, Brot, Eiern, Waschchemikalien und vielem mehr. Die Kinder freuten sich am naechsten Tag darueber und vollfuehrten in einem Kindergarten einen "Melonentanz".

Am Freitag, unserem letzten ganzen Tag in dieser beeindruckenden Gegend, besuchten wir Mitglieder aus Arnolds katholischer Gemeinde, die in den Armensiedlungen leben, die sich an den Haengen des Berges erstrecken, auf dem die Kirche steht. Die Haeuser der Favelas sind aus Stein gebaut, es gibt nur enge, schmale Gassen und steile Treppen, die zu den Haeusern fuehren. Die Wohnungen, in denen die Leute leben, sind sehr klein, bestehen nur aus einem kombinierten Wohn- und Schlafraum und einer Kueche nebst Toillette. Die Waende sind innen verputzt, haben aber Risse. Das Dach ist aus Wellblech oder Wellbeton. Sehr ueberrascht waren wir, dass es in allen Wohnungen sehr sauber und ordentlich aussah, ein krasser Gegensatz zum aeusseren Eindruck der Siedlung. Erst besuchten wir eine alte alleinstehende Frau, die keine Verwandten mehr hat, die sie unterstuetzen. Durch die Kirche hat sie die einzige Unterstuetzung, Alessandra hat ihr geholfen, eine kleine Rente zu beantragen, die sie nun bekommen wird.

Als naechstes besuchten wir eine alte schwarze Frau, der ein Bein amputiert wurde. Als wir ueberraschend bei ihr auftauchten, sass sie auf ihrem Bett im Wohnzimmer und bereitete gerade vor, einen Kuchen zu backen. Dazu hatte sie alle Zutaten auf dem Bett zurecht gestellt. Die Gemeinde hat ihr das Haus, in dem sie jetzt wohnt, gebaut, da ihr vorheriges Holzhaus fast zusammen gefallen war. Allerdings muss man, wenn man zu ihr will, von einer steilen Treppe kommend, ueber einenGraben springen, um dann direkt vor ihrem Haus zu stehen. Das heisst, diese Frau kommt ohne Hilfe nie aus ihrem einem Zimmer und ist dennoch gluecklich, jetzt in einem festeren Haus zu wohnen.

Die dritte Station war der Besuch einer schwarzen Kindergaertnerin, die in einem relativ geraeumigen Haus mit ihrem Mann und ihren drei Kindern wohnt. Allerdings muss sie dafuer 200 Reais Miete zahlen und das ist die Wohnung nicht Wert. Da ihr Mann als Hilfsarbeiter arbeitet und nur 20 Reais pro Tag verdient, ist sie froh, dass sie seit Kurzem im Kindergarten San Pedro arbeiten kann.

Danach kamen wir zu unserem viertem und letztem Besuch im naechstegelegenem Tal. Das Tal war durch den vielen Regen am Dienstag, der uns ja auch erwischt hatte, stark ueberschwemmt. Die Behausungen, die wir da zu sehen bekamen, waren sehr aermlich. Es gab nur zusammengezimmerte Holzwaende mit Wellbeton als Dach. Die Zwischenfugen zwischen Wand und Dach wurden mit Plastiktueten ausgestopft. Hier lebte ein ehemaliger Fabrikarbeiter mit seiner Frau, mehreren Kindern und 2 Enkeln auf allerengstem Raum. Diese schreckliche Realitaet uebertraf unser Vorstellungsvermoegen. Gestern noch besuchten wir die Glitzerwelt der zweitgroessten Stadt der Welt und nun sassen wir in einer aermlichen Holzhuette und der Bewohner erzaehlte uns von den Missgeschicken seines Lebens wie Arbeitsunfall in Metallfabrik oder seinen Herzinfarkten, die dazu fuehrten, dass er am untersten Ende der Gesellschaft angekommen ist. Aber auch in seiner Huette war es sauber und die Familie empfing uns offen und freundlich.

Am Nachmittag fuhren wir in die Kuenstlerstadt Embu. Hier geht es sehr europaeisch zu, gepflegte Haeuser, viele Kunstgewerbelaeden und einige Gaststaetten. Die Kunstgewerbelaeden boten viele heimische Arbeiten aus Holz, Glas, Stein und Metall an. Hier fuehlten wir uns dann nach den vorangegangenen Erfahrungen wieder wohl.

Ankunft in Brasilien

Geschrieben am 10.09.2009 um 01:38

Lange vorher waren wir gespannt auf unsere Reise nach Berlin und nun war es endlich so weit. Der erste kleine Flug von Berlin nach Muenchen war reibungslos, aber in Muenchen ging es los. Dort konnten wir erst mit 45 min Verspaetung weiter, der der urspruenglich geplante Flieger defekt war und erst ein Ersatz beschafft werden musste. Der Flug nach Sao Paulo war dann wieder prima und wir konnten sogar ganz gut schlafen.

Die Ankunft in Sao Paulo am Fughafen war dann wieder eine Katastrophe. Es kamen mehrere grosse Flieger zur gleichen Zeit an, so dass es einen Riesenstau bei der Passkontrolle und der Zollabfertigung gab. Wir hatten genug Zeit, den Sonnenaufgang zu fotografieren. Das war allerdings das letzte Mal an diesem Tag, dass wir die Sonne sahen. Nachdem wir nach zwei Stunden die formalen Prozeduren hinter uns gebracht hatten, wurden wir von unserem Onkel Arnold in Empfang genommen. Er fuhr mit uns zu sich nach Hause nach Itapecerica da Serra, was ungefaehr 1 Autostunde westlich von Sao Paulo liegt. Diverse Staus und Gewitter mit heftigen Regenfaellen begleiteten uns auf unserem Weg. Kurz vor dem Ziel hatten wir dann eine ueberschwemmte Strasse zu durchqueren. Arnold fuhr mit viel Schwung in den kleinen See, da uns aber an der flachsten Stelle, die wir benutzten, ein Auto entgegenkam, mussten wir stoppen. Der Motor ging aus, nicht wieder an, der kleine Opel Corsa schwamm und Wasser drang von allen Seiten ein. Ich musste in das fast kniehohe Wasser und das Auto an Land schieben. Dabei ging es leicht bergan, so dass es nicht mehr weiterging und wir mussten das Auto erst einmal halb im Wasser stehen lassen. Arnold ging die letzten Meter zu Fuss nach Hause und holte Hilfe. Sein Nachbar Mario kam mit seinem Auto und zog Arnolds Auto aufs Trockene. Danach brachte er uns nun endgueltig nach Hause.

Am Nachmittag besuchten wir den groessten Kindergarten, den Arnold leitete mit ungefaehr 400 Kindern. Ausserdem bekommen ca. 100 Jugendliche in der Einrichtung Lehrgaenge als Vorbereitung auf Ihr zukuenftiges Leben. Wir sahen zwei Lehrgaenge, fuer Computertechnik und fuer Sexualkunde. Der Kindergarten ist sehr schoen eingerichtet, die Kinder werden ganztaetig versorgt und mit Spielen auf das Leben vorbereitet. Der Kindergarten ist umgeben von Armenvierteln, aus denen die Kinder auch stammen. Faehrt man in den Kindergarten ein, fuehlt man sich erstmal wie im Paradies. Kein Laerm, kein Schmutz, dafuer Blumen und Kinderlachen.

Am Abend erfuhren wir dann von der Autowerkstatt, dass Arnolds Auto einen Motorschaden hat. So sind wir jetzt mit dem Hausmeister des Kindergartens Wanda unterwegs, der uns mit seinem Auto faehrt. So waren wir heute in einem weiteren kleineren Kindergarten und in Arnolds Pfarrei, in der er noch einen Kindergarten unterhaelt. Fuer beide Kindergaerten waren wir vorher erstmal richtig einkaufen und haben dabei Wandas Auto jedesmal total vollgepackt. Alle die Kindergaerten, die er betreut und die Pfarrei sind sehr schoen eingerichtet und Arnold hat sehr liebe und tuechtige Helfer.

Heute nachmittag waren wir in Kingkuka ji, einem buddistischem Garten mitten im Regenwald, in dem sich Tempel und Urnengraebern von Buddhisten, meist Japanern befinden. Eine Insel der Ruhe und Abgeschiedenheit, die neben der Hektik der Gegend hier unwirklich erscheint, uns aber eine willkommene Abwechslung war.

Morgen wollen wir dann nach einem Abstecher in einen der Kindergaerten einen Ausflug ins Zentrum von Sao Paulo machen. Mal sehen, was uns da alles an Erlebnissen erwartet.

 


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